Blown Apart

Wenn alles auseinandergerissen wird. Briefe an Osama bin Laden als Traumabewältigung.

Blown Apart 2

Blown Apart (Incendiary, 2008) ist ein ungewöhnlicher Film. Zunächst inszeniert Regisseurin Sharon Maguire ihre Hauptdarstellerin Michelle Williams als äußerst erotisches Objekt der Begierde, dann lässt sie sie in Trauer versinken, ehe reichlich verkitscht ein Neuanfang heraufbeschworen wird.

Blown Apart ist dort am besten, wo er sich ganz Michelle Williams überlässt, die das großartige Porträt einer wenig ambitionierten, sich selbst als Mutter und erotisches Objekt definierenden Frau zeichnet. Als das eine mit dem anderen kollidiert – das Leben ihres Sohnes erlischt in dem Augenblick, als sie sich einem Fremden (Ewan McGregor) hingibt –, wird sie gänzlich zur Mutter und Verlustikone.

Maguires Film orientiert sich stark an seiner Vorlage, Chris Cleaves Debütroman Incendiary, und übernimmt auch dessen Schwächen. Als Mittel zur Traumabewältigung verfasst die Protagonistin Briefe an Osama bin Laden, dem vermeintlichen Mastermind hinter dem Anschlag, der ihrem Sohn das Leben kostete. Selbst Williams vermag jene naiv-banalen Phrasen kaum unfallfrei auszusprechen. Parallel zur Leidensgeschichte der Mutter wird dann noch eine Thrillerkomponente bemüht, die aber an keiner Stelle wirklich greift und letztlich irrelevant bleibt.

Wer sich Blown Apart weder als Thriller noch als Kommentar zum Terrorismusdiskurs, sondern schlicht als Teil des Verlustkinos anschaut, wird mit einem außergewöhnlichen Beitrag belohnt, der sich ein wenig als Solitär im Videoregal aufhält.

Kommentare zu „Blown Apart“


Gerry

Gut gemachter Film, nicht immer voll einzusehen aber dennoch sehenswert.






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