Action - da wo sie hingehört!?

Tödliches Kommando

Das reine Actiongenre hat es schwer im Kino, sowohl in den USA, als auch in Europa, das sich da stark am großen Vorbild orientiert. Abenteuer, Comicadaption und Fantasy haben die Stunts und SFX längst in sich aufgenommen und präsentieren sie weitaus breiten- und familientauglicher. So sind auch die teureren Actionfilme da gelandet, wo sie einst massenhaft als B-Variante ihre Existenz fristeten: In den Videotheken. Deshalb wollen wir in unserer DVD- und Blu-Ray-Rubrik auch ein besonderes Augenmerk auf das Genre werfen, dem Kathryn Bigelow mit ihrem herausragenden Irakkriegsthriller Tödliches Kommando (The Hurt Locker) dieses Jahr ein so verheißungsvolles Comeback verschaffte.

Zwölf Runden


Zwölf Runden

Renny Harlin – Der Spezialist

Zwölf Runden

Zwölf Runden (12 Rounds, USA 2009)
20th Century Fox
DVD-Verleih ab: 11.12.09
DVD-Verkauf ab: 06.01.10

Zwölf Runden

Renny Harlin gehört derselben Generation wie Bigelow an und ist genauso wie sie als Regisseur ein Kind der späten 80er und frühen 90er Jahre. Der gebürtige Finne erprobte sich im Horrormilieu, ehe er die Chance nutzte, sich mit der Fortsetzung von Stirb Langsam (Die Hard, 1988) in Hollywood als Actionregisseur zu etablieren. Es war die große Zeit der Schwarzeneggers, Stallones und Willises, das anbrechende Zeitalter der Franchises. Mit Cliffhanger (1993) inszenierte Harlin eines der besten Stallone-Vehikel seiner Zeit, nur um wenig später an der Seite seiner damaligen Freundin Geena Davis beider Karriere mit Die Piratenbraut (Cutthroat Island, 1995) aufs Übelste in Mitleidenschaft zu ziehen. Das Paar rehabilitierte sich vor den Actionfans mit dem gradlinigen und schnell zu Kultstatus gelangtem Tödliche Weihnachten (The Long Kiss Goodnight, 1996, am 24.12. um 22 Uhr auf Vox). An den Kinokassen war der Film allerdings auch nur im Vergleich zum vorangegangenen Megaflop erfolgreich.

Während Geena Davis sich von dieser kurzen privaten und beruflichen Liaison mit Harlin zumindest was Zweiteres anbelangt nie wieder recht erholte, entpuppte sich der Finne als Stehaufmännchen. In Exorzist: Der Anfang (Exorcist: The Beginning, 2004) durfte er Friedkins Saga endgültig den Garaus machen und mit Der Pakt – The Covenant (2006) legte er gleich die nächste filmische Plattheit vor – beides mit beachtlichem Box-Office-Erfolg. Derlei Vita exponierte Harlin innerhalb Hollywoods zu einem Experten für günstige Genre-Mainstream-Produktionen mit einem jungen Zielpublikum. Der Blockbuster-erfahrene Finne verleiht den Filmen einen teureren Look, so dass diese mit zweitrangigen Akteuren besetzten Filme wie aufpolierte B-Pictures wirken. Und tatsächlich funktioniert dieses Konzept, wenn man die beiden Kinofilme des in den USA populären Wrestlers John Cena betrachtet. WWE, die stalleigene Produktionsfirma des Wrestlingverbandes, dem Cena angehört, hat ihr Zugpferd jeweils in archetypische Rollen des Genres schlüpfen lassen: In The Marine (2006, um Mitternacht vom 03.01. auf den 04.01. auf RTL) verkörpert Cena eine Söldnervariation mit dem einzig akzeptablen und logischen Namen – John. Seine Frau wird von wirklich bösartigen Verbrechern entführt und er heftet sich explosionsversprechend an ihre Fersen. Realisiert hat dies John Bonito, One-Time-Director, der beeindruckend nachweist, nicht vom Fach zu sein. Im Kino hatte der Film kaum Chancen, doch in den DVD-Regalen machte er beachtlichen Profit. Was gleich zu zweierlei Sequel führte: Ein anderer Catcher durfte The Marine 2 (2009) spielen, der nach den verheerenden Kritiken des ersten Teils und den geringen Perspektiven bezüglich der Kinoauswertung konsequenterweise den direkten Weg in die Videotheken suchte. Darüber hinaus sollte John Cena seinen rächenden Martialmenschen variieren, erneut auf der Suche nach seiner entführten Frau, diesmal als Polizist. Engagiert wurde Renny Harlin, um das Schmuddelimage und den billigen Look loszuwerden.

Tatsächlich sieht Zwölf Runden, genauso wie The Marine mit etwa 20 Millionen Dollar ausgestattet, völlig anders aus. Schon zu Beginn fährt Harlin alle für das von Tony Scott dominierte Genre notwendigen Technikgimmiks auf: Eine Einheit des FBI überwacht und jagt den Topverbrecher Miles Jackson. Bevor es zum Zugriff kommt, dürfen allerlei Kameras und Überwachungsgeräte zum Einsatz kommen, flott unterschnitten. Doch Harlin ist kein Scott, er interessiert sich nicht für die ästhetischen Möglichkeiten. Er ist auch kein McTiernan, sein Vorgänger in der Stirb-Langam-Reihe, der sich für Räume begeistert.

Harlin setzt auf Look und lässt es krachen, als seien Bruce Willis und Will Smith nicht weit. Das Inferno beginnt, als Cena alias Danny Fisher die Bühne betritt. Der absolviert so unbeirrt einen Hindernislauf durch Hinterhöfe einer Wohnsiedlung, dass das Drehbuch seinem flüchtenden Kontrahenten den immer gern gesehenen „This guy is starting to annoy me“ in den Mund legt. Wo er hier noch Respekt zollt, jagt er aus mehr oder minder gutem Grund bald alles in die Luft, was Danny lieb und heilig ist. Er fordert den Polizisten zu einem Spiel über 12 Runden auf – als „Rematch“.

Und während es so knallt und kracht und teurer aussieht, als es ist, realisiert man plötzlich, dass man sich in einer recht dreisten Kopie des dritten Teils der Stirb-Langsam-Serie befindet. Renny Harlin ficht das nicht an, der versucht um seinen Hauptdarsteller und die gleichsam hölzernen Dialoge herum seinem Handwerk zu frönen. Und tatsächlich gibt es da Momente, in denen man sich fragt, was Harlin mit etwas mehr Drehzeit und vielleicht einem Matt Damon – Cena als Typ nicht unähnlich – aus der Grundkonstellation von Zwölf Runden hätte machen können. Ob es für ihn in der Zukunft ein Hollywood-Großprojekt geben wird, steht in den Sternen, aktuell dreht er in seiner Heimat. Seine Mühen bei 12 Runden wurden nicht belohnt, etwas lieblos in den USA und hierzulande beworben, blieb der Film an den Kinokassen unter seinen Möglichkeiten. In der Videothek hat er nun sein natürliches Biotop gefunden, hier werden sich Freunde der schlichten Genrekost für ihn erwärmen können.

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