Sandcastle von Boo Junfeng

Wie soll die Zukunft aussehen, wenn die eigene Vergangenheit im Verborgenen liegt? Sandcastle ist ein Puzzle. Ein Puzzle, wie Ens Großeltern es oft legen. Nur ein einziges Teil fehlt.
En sitzt in seinem Zimmer und schaut sich ein Video an. Immer wieder schaut er zu, wie er selbst als kleiner Junge lachend den Strand entlangläuft, begleitet von seinen Eltern.
Der Film ist die vielleicht einzige authentische Erinnerung, die ihm aus glücklichen Kindheitstagen geblieben ist. Diese Zeit ist lange vorbei und nun stellt er sich Fragen:
Wo war sein Vater, bevor er starb? Ist seine Mutter an der tiefen, doch gescheiterten Liebe zu ihrem Mann kaputtgegangen? Warum liebt sein Opa ihn so bedingungslos?
Aber ein Puzzle zu legen, bei dem nur ein einziges Teil zur kompletten Lösung führt, macht keinen Spaß. Alle inhaltlichen Aspekte des Films sind spannend zu verfolgen. Die jahrelange Lüge der Mutter, die kommunistische Studentenrevolte in den 50er Jahren in Singapur, das Wissen der Großeltern, sowie der dadurch entstehende Generationenkonflikt.
Doch dass nur der Brief des Vaters all die ungelösten Fragen beantwortet, ist ein etwas zu einfaches Ende und eine zu absolute Lösung. Durch diesen Brief, der schon am Anfang des Films auftaucht, können sowohl En, als auch die Zuschauer sich in jede Figur hineinversetzen, jede Perspektive nachvollziehen. Eine einzige, abrupte Antwort wünscht der Zuschauer nicht. Er möchte die raffiniert aufgebauten Handlungsstränge für sich zu Ende denken ohne eine vorgefertigte Lösung geliefert zu bekommen.
En redet nicht viel, aber der Laienschauspieler Joshua Tan braucht keine Worte, um präsent zu sein. Die Kamera gibt seine Person dokumentarisch wieder. In vielen Nahaufnahmen, die nur auf seine Mimik konzentriert sind, ergreifen den Zuschauer Ens Gedanken. Es ist, als könne man in seinem Gesicht lesen. Im Gegensatz dazu zeigt der aus Singapur stammende Regisseur Boo Junfeng in seinem Erstlingswerk viele beeindruckende Landschaftsaufnahmen. Farbenreiche Naturbilder werden mit ruhiger Klaviermusik untermalt und stehen im Kontrast zu den Aufnahmen der hektischen Stadt. Die Kamera bewegt sich dabei kaum. So entstehen Pausen zwischen den verworrenen Geschichten, die Zeit lassen, um Ens Erinnerungen mitverfolgen zu können.
Am Ende des Films steht En den Blick auf den nahen Horizont gerichtet am Strand, kennt alle Antworten, alle Teile des Puzzles. Wie es weitergeht, weiß er nicht. Zurück bleibt Hoffnung.
Foto: Festival de Cannes/Semaine de la Critique































