Dieser Text erscheint mit freundlicher Genehmigung unseres Medienpartners ParisBerlin. Der Text ist dort ursprünglich erschienen.
Interview mit Andres Veiel, Regisseur von Wer wenn nicht wir
Mit dem Spielfilm Wer wenn nicht wir ist Andres Veiel, einer der wichtigsten deutschen Dokumentarfilmer, im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale vertreten. Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen Benward Vesper und Gudrun Ensslin, gespielt von August Diehl und Lena Lauzemis.
Das Interview führte Ulrich Schönleber
Sie haben mit Blackbox BRD einen wichtigen und erfolgreichen Dokumentarfilm zum Thema deutscher Terrorismus vorgelegt. Warum nun ein Film über die Geschichte von Gudrun Ensslin und Bernward Vesper?
Ich habe bei der Lektüre eines Buches von Gerd Koenen und während meiner eigenen Recherchen bemerkt, dass die Vorgeschichte der RAF im Grunde noch gar nicht erzählt ist. Wenn davon die Rede ist, kommen immer die gleichen Erzählmuster und Bilderschleifen: die Schüsse auf Benno Ohnesorg, Rudi Dutschke, die Spaltung der 68er in den „Marsch durch die Institutionen“ auf der einen und eine kleine Gruppe, die sich abspaltet und gewalttätig wird, auf der anderen Seite. Warum waren das aber zunächst nur zehn bis fünfzehn, während doch alle von den Schüssen auf Benno Ohnesorg erschüttert waren und Wut und Ohnmacht fühlten? Das erzählt sich nur, wenn man neben den politischen Auseinandersetzungen und Einflüssen auch in das biographische Material eindringt. Meine Recherchen dazu haben sehr viel Spannendes und Neues zu Tage befördert, und das war dann der Grund, warum ich gesagt habe, darüber muss ein Film gemacht werden. Weiterlesen/Lire la suite »