Mit ‘Forum’ getaggte Artikel / Textes avec le mot-clef ‘Forum’
von/de Michael Kienzl - 9-2-2012 - Kategorien/Catégories: Deutsch, Filmkritiken / Critiques

Das philippinische Elend, wie es der Westen gerne sieht
Es ist Morgen in den Slums von Manila. Eine Mutter bereitet für ihre Kinder ein spärliches Frühstück zu. Anschließend wäscht sie ihre Tochter und zieht sie hübsch an. Ein Voice-over liest dazu Regieanweisungen und legt den Schluss nahe, dass es sich hier um einen Film-im-Film handelt. Dessen Handlung ist recht einfach: Die Mutter, die Mila heißt, leidet derart unter Armut, dass sie ihre Tochter an einen pädophilen Westler verkaufen muss.
Der philippinische Regisseur Marlon Rivera hat mit seinem Spielfilmdebüt The Woman in the Septic Tank eine bitterböse Satire auf das Filmbusiness gedreht, die auch nicht mit Seitenhieben auf die Szene in seinem Heimatland geizt. Allein die Eröffnungsszene ist mit ihren dokumentarisch wirkenden Handkamerabildern und dem zurückgenommenen Spiel deutlich von der Ästhetik Brillante Mendozas inspiriert, die Story wirkt wie eine überspitzte Variante seines Films Foster Child (2007). Weiterlesen/Lire la suite »
Tags/Mots-clefs: Forum, Marlon Rivera, The Woman in the Septic Tank
von/de Michael Kienzl - 17-2-2011 - Kategorien/Catégories: Allgemein / Général, Deutsch, Filmkritiken / Critiques
Twenty Cigarettes: Rauchen als Ausdruck individueller Persönlichkeit
James Benning, langjähriger Beobachter amerikanischer Landschaften, widmet sich in seinem neusten Film einem ungewohnten Motiv: dem Menschen oder genauer gesagt einem vom Menschen ausgeführten Vorgang. Dem Rauchen einer Zigarette – mittlerweile nicht nur in den USA zur subversiven Geste geworden – widmet Benning mit Twenty Cigarettes einen ganzen Film.
Das Konzept ist wie immer bei Benning einfach und klar strukturiert: 20 Menschen unterschiedlicher Herkunft, Altersgruppen und beiderlei Geschlechts rauchen an verschiedenen Orten der Welt vor einer statischen Kamera eine Zigarette. Die Dauer einer Einstellung entspricht ungefähr dem Zeitraum des Rauchens, wobei Benning auch teilweise früher abblendet. Unter den Personen befinden sich Prominente wie die Künstlerin Sharon Lockhart, der Filmregisseur Thom Andersen und der Subkultur-Forscher Dick Hebdige, aber auch Menschen, über deren Herkunft man nur rätseln kann. Weiterlesen/Lire la suite »
Tags/Mots-clefs: Dokumentarfilm, Experimentalfilm, Forum, James Benning, Rauchen
von/de Michael Kienzl - 15-2-2011 - Kategorien/Catégories: Deutsch, Filmkritiken / Critiques

Annäherung im Knast: Michel (Carlo Brandt) und Barbara (Ronit Elkabetz)
In der ersten Szene von Les mains libres lässt sich Barbara (Ronit Elkabetz) die Karten legen, um Gewissheit über ihre Liebesleben zu bekommen. Ihre kommende Beziehung, so die Wahrsagerin, werde langwierig und kompliziert sein, und mit dieser Prognose wird sie auch Recht behalten. Barbara ist Regisseurin und dreht derzeit mit Insassen eines Gefängnisses einen Film. Dort verliebt sie sich in den Häftling Michel und lässt sich auf eine platonische Beziehung ein. Sie weiß, was das bedeutet: Wenn es herauskommt, wird ihr Filmprojekt platzen. Doch Barbara lässt sich darauf ein und bietet sich Michel für eine kleine Gefälligkeit an. Sie ahnt noch nicht, welche Folgen das haben wird.
Les mains libres ist der erste Spielfilm von Brigitte Sy, zuvor überwiegend als Darstellerin in den Filmen Philippe Garrels und als Mutter von Louis Garrel bekannt. Es ist die Aufarbeitung persönlicher Ereignisse: Barbaras Beziehung mit einem Junkie, der sie mit HIV infiziert, ist ebenso Bestandteil von Sys Biografie wie ihre Arbeit mit Gefängnisinsassen. Der Handlung um Barbara und Michel liegt dagegen ein nicht näher beschriebener Fall aus dem Bekanntenkreis Sys zugrunde, in dem sich eine Filmemacherin in einen Häftling verliebt, beide zu bedingungsloser Liebe bereit sind und schließlich ein Unfall die Geschichte tragisch enden lässt. Les mains libres endet mit einem Foto des wirklichen Michel. Der Film ist ihm gewidmet. Weiterlesen/Lire la suite »
Tags/Mots-clefs: Brigitte Sy, Forum
von/de Michael Kienzl - 13-2-2011 - Kategorien/Catégories: Deutsch, Filmkritiken / Critiques
Absent: Spiel mit dem Feuer
Mit Absent (Ausente) und Auf der Suche zeigt das Forum in diesem Jahr zwei Filme, die Versatzstücke des Genrekinos mit einer Erzählweise kombinieren, die sich einer konventionellen Dramaturgie verweigert. Oft geht so eine Gratwanderung zwischen dem Spiel mit Regeln und deren Überwindung in die Hose. Dem argentinischen Regisseur Marco Berger gelingt in seinem Film Absent zumindest schon mal ein spannender Einstieg. Während des Vorspanns seziert die Kamera in Großaufnahmen den nackten Körper des 16-jährigen Martin. Seine vielsagenden Blicke im Schwimmunterricht gelten dem Sportlehrer Sebastian. Als Martin eine Verletzung vortäuscht und sich der vorsorgliche Lehrer darauf um ihn kümmert und zum Arzt bringt, ist das nur der Anfang einer Odyssee, bei der sich der Junge zunehmend in Lügen verstrickt, zum vernachlässigten Problemkind stilisiert und Sebastian so lange manipuliert, bis dieser ihn bei sich einquartiert. Weiterlesen/Lire la suite »
Tags/Mots-clefs: Forum, Jan Krüger, Marco Berger
von/de Michael Kienzl - 12-2-2011 - Kategorien/Catégories: Deutsch, Filmkritiken / Critiques

Warten auf Erlösung: Tomoki (Tomoharu Hasegawa)
Wenn im Kino die geläufige Dauer eines Spielfilms überschritten wird, gerät ein Film schnell zum Event – besonders auf einem Filmfestival, auf dem Zeit ohnehin ein rares Gut ist. In den letzten Jahren gab es im Forum zwei japanische Beiträge zu sehen, die sich viel Zeit nahmen, aber nebenbei auch großartige Filme waren. 2008 dekonstruierte Kôji Wakamatsu über drei Stunden die japanische Rote Armee, ein Jahr darauf setzte sich Sion Sono mit seinem vierstündigen Love Exposure über Genregrenzen und Erzählkonventionen hinweg.
Wenn man sich im aktuellen Forums-Jahrgang Takahisa Zezes Heaven’s Story in voller Länge zu Gemüte führen möchte, braucht man noch stärkeres Sitzfleisch. Mit seinen beinahe fünf Stunden bleibt der Film zwar weit hinter den Mammutwerken eines Lav Diaz zurück, für den Zuschauer ist das trotzdem eine Herausforderung. Vor allem, weil es dem Film nur unzureichend gelingt, seine ausufernde Laufzeit zu rechtfertigen. Weiterlesen/Lire la suite »
Tags/Mots-clefs: Episodenfilm, Forum, Rachegeschichte, Takahisa Zeze
von/de Michael Kienzl - 11-2-2011 - Kategorien/Catégories: Deutsch, Filmkritiken / Critiques

Schalttafel auf der Leitwarte des ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe
Als in den 1960er Jahren in Deutschland die ersten Kernkraftwerke gebaut wurden, war die Bevölkerung noch voller Idealismus. Die zur Stromerzeugung genutzte Nuklearenergie sollte strikt getrennt werden von den verheerenden Folgen der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki. Immer wieder wurde betont, dass es sich hier um eine friedliche Nutzung der Nuklearenergie handelt. Noch bis in die 1980er Jahre wurden im deutschsprachigen Raum Kernkraftwerke gebaut und die neue Technologie propagiert.
Seitdem hat sich einiges geändert. Ende der 1970er Jahre firmierte sich die Anti-Atomkraft-Bewegung, spätestens mit der Katastrophe in Tschernobyl 1986 ging es mit dem Image der Nuklearenergie dann zunehmend bergab, und immer mehr Kraftwerke wurden geschlossen.
Mit seinem Dokumentarfilm Unter Kontrolle über die Sicherheitsvorkehrungen in Atomkraftwerken hat Volker Sattel perfektes Timing bewiesen. Gerade jetzt, wo sich der Volkszorn wieder zunehmend auf der Straße entlädt, liegt so ein Film ganz am Puls der Zeit. Das Beachtliche dabei ist, dass Sattel auf den Protestzug nicht aufspringt und alles andere als einen agitatorischen Film gegen die Atomkraft gemacht hat. Vielmehr versammelt er verschiedene Gesprächspartner – deutlich mehr Befürworter als Gegner –, gewährt ungewohnte Einblicke in das Innere von Atomkraftwerken und überlässt das Urteil, wie sicher diese nun sind, bis auf die etwas tendenziöse Schlussszene dem Zuschauer. Weiterlesen/Lire la suite »
Tags/Mots-clefs: Atomkraft, Dokumentarfilm, Forum, Volker Sattel
von/de Lisa Aylin Berns - 25-2-2010 - Kategorien/Catégories: Begegnungen / Rencontres, Deutsch, Live von der Jury / Le jury en direct
Putty Hill von Matt Potterfield zollt der Kraft des Bildes gebührenden Respekt und steckt voller optischer und auditiver Überraschungen. Diese Anmerkung zum Film trifft bei der Begegnung mit dem amerikanischen Independent-Regisseur genau ins Schwarze, denn überraschen und experimentieren sei der Ansporn und das Anliegen Potterfields zum Film gewesen. Dialoge und Soundtrack sind im Hintergrund, manchmal schwer verständlich, der Film weder Fiktion noch Dokumentation. Den Familienmitgliedern und Freunden eines durch Drogenkonsum verstorbenen jungen Mannes, die aus allen Ecken Amerikas zur Beerdigung kommen, werden Fragen zu ihren Leben, zum Verstorbenen oder zu ihren Erwartungen gestellt. Die Antworten wirken so frei, als könnten sie unmöglich von einem Skript gelernt worden sein. Und tatsächlich bestätigt Matt Potterfield, dass er sich auf das Experiment eingelassen hat und es den Darstellern überließ, die Geschichte zu entfalten, die Antworten auf die Fragen entstanden komplett im Moment selbst. So dauerte das Shooting an fünfzehn verschiedenen Drehorten auch nur zwölf Tage, da Szenen kaum zweimal gedreht wurden, um die Authenzität zu wahren, um den Prozess der Entwicklung nicht zu unterbrechen. Weiterlesen/Lire la suite »
Tags/Mots-clefs: Forum, Putty Hill, USA
von/de Nino Klingler - 17-2-2010 - Kategorien/Catégories: Deutsch, Filmkritiken / Critiques
Am Anfang sehen wir ein Zitat aus Paul Thomas Andersons Magnolia (1999): „We may be through with the past, but the past ain’t through with us.“ Regisseurin Caroline Kamya ließ sich offensichtlich sehr von Andersons Großformat-Episodenkino beeinflussen: Imani breitet seine Geschichten über die soziale und politische Landschaft ganz Ugandas aus. Drei Hauptplots geben Einblick in unterschiedliche Aspekte des ostafrikanischen Lebens: die Nachbeben des jahrzehntelangen Bürgerkrieges im Norden, das immense Wohlstandsgefälle zwischen Neureichen und ihren Hausangestellten, das allmähliche Aufblühen einer sozial engagierten urbanen Jugendkultur.
Vieles an Imani transportiert die Zerrissenheit afrikanischen Lebens auf effektvolle Weise, auch wenn oft nicht klar ist, ob diese Effekte willentlich oder unabsichtlich produziert werden. Die Adaption der episodischen Struktur nach US-amerikanischem Vorbild beispielsweise will nicht recht aufgehen, die Verknüpfung der Storys wirkt willkürlich, vereinzelte Parallelmontagen zwischen zwei unabhängigen Erzähllinien verwirren eher aufgrund ihrer Beliebigkeit, als dass sie ein Gefühl von Kohärenz hervorrufen. Über den Film verteilte Passagen voller ästhetischer Überformungen wie Zeitraffer oder Jump Cuts deuten weniger auf die eigene Substanz als auf visuelle Konventionen des angelsächsischen Kinos. Weiterlesen/Lire la suite »
Tags/Mots-clefs: Forum, Uganda
von/de Lisa Aylin Berns - 17-2-2010 - Kategorien/Catégories: Begegnungen / Rencontres, Deutsch, Live von der Jury / Le jury en direct
„In England bin ich eine Fremde, in Uganda bin ich auch eine Fremde. Aber ich finde es etwas Gutes, denn man beobachtet, wird beobachtet und reflektiert unaufhörlich über sich selbst.“ Durch ihren eigenen Lebenslauf beeinflusst, der sie im Kindesalter aus der ugandischen Hauptstadt Kampala zuerst für einige Jahre nach Kenia und im Anschluss nach London und Vancouver führte, sucht Caroline Kamya in ihrem neuen Film Imani nicht allein jene Tragik, die man für gewöhnlich mit Afrika in Verbindung bringt, sondern zeigt ein Panorama des ugandischen Lebens. Seit 2004 lebt sie wieder in Uganda. Imani ist eine Hommage an ihre neue alte Heimat. Aus ihrer Beobachterposition möchte sie nicht den moralischen Zeigefinger heben, nicht idealisieren oder dramatisieren: „Die Wirkung des Films beim Publikum ist für mich von großer Bedeutung. Das Bild des hoffnungslosen Kontinents ist überall auf der Welt so stark verwurzelt, dass das wirkliche Afrika kaum wahrgenommen wird. Meinen Zuschauern möchte ich das wirkliche Uganda zeigen.“ Weiterlesen/Lire la suite »
Tags/Mots-clefs: Forum, Uganda
von/de Nino Klingler - 12-2-2010 - Kategorien/Catégories: Deutsch, Filme in Bildern / Films en images
In Kanikōsen erteilt uns der Japaner Sabu im Schnelldurchgang Lektionen in politischer Philosophie. Schauplatz des etwas unausgegorenen Satirestreifens ist ein japanisches Krabbenfangsschiff, das während eines fiktiven Krieges mit Russland durch die Grenzgewässer der Großmächte laviert. Der Besatzung geht es schlecht, sie wird zu unmenschlicher Arbeit an einem gigantischen Förderband für Krabbenkonservierung gezwungen. Weiterlesen/Lire la suite »
Tags/Mots-clefs: Forum, Japan, Sabu