
Eine recht weit verbreitete filmische Struktur, oftmals anzutreffen in sogenannten „Talking Heads“-Dokumentationen, erinnert frappierend an die Gesprächskonstellation der katholischen Beichte. Der Interviewführer ist nur anwesend als Stimme aus dem Off, versteckt wie hinter einer Trennwand. Die Unsichtbarkeit ist Repräsentation seiner Macht, die Stimme sein Instrument der Beeinflussung.
Sein Gesprächspartner ist dem quasi göttlichen Blick der Kamera ausgesetzt, der, neutral, bohrend, ungerührt, ebenso gut ein einziges wie Tausende von Augen bedeuten kann, der Blick des Großen Anderen. Denn im Kino treten wir Zuschauer an die Stelle der Kamera und blicken dem Menschen, der einst vor ihr stand, direkt ins Gesicht.
Viel wurde über das Verhalten der Menschen vor Kameras geschrieben, über den Zwang zur Pose, der Gestik und Mimik auf einen idealisierten Beobachter hin modifiziert. Gerade weil die Kamera nur eine Maschine ist, kann sie sich jedem beliebigen Menschen als Auge antragen.
Wie erschafft man vor der Kamera Intimität? Wie kann man diesen „sozialen“ Aspekt des Sprechens und Agierens vor der Kamera beschränken? Tamara Trampe und Johann Feindt werden sich diese Frage intensiv gestellt haben, denn in ihrem Film Wiegenlieder wollen sie intime Bekenntnisse von ihren Protagonisten, zur Not mit der emotionalen Brechstange. Kindheitserinnerungen, Ängste, Wünsche sollen zum Ausdruck kommen. Doch während wir immer mehr leiden unter den Blicken, die Trampe und Feindt uns einzunehmen zwingen, erkennen wir, wie man Intimität ganz sicher nicht vermittelt. Oder, denn wir Zuschauer nehmen stets nur Effekte wahr: wie Intimitätseffekte verhindert werden. Weiterlesen/Lire la suite »






















