Die Auftakt-Veranstaltung des Talent Campus klang vielversprechend. „Changing Perspectives“: Wie können Künstler ihren eigenen Visionen treu bleiben und trotzdem offen bleiben für Veränderungen. Auf dem Podium waren die französische Schauspielerin Juliette Binoche und der Regisseur Gaston Kaboré aus Burkina Faso. Doch das Gespräch war enttäuschend. Eine Stunde ist wenig Zeit, um wirklich in die Thematik einzutauchen. Außerdem bleibt das Gefühl, dass die Gäste viel zu sagen haben, aber eben nicht darüber, wie sie ihre eigenen Visionen konkret durch neue Perspektiven erweitern, über Konflikte Eigenes und Fremdes zu verbinden. Weiterlesen/Lire la suite »
Zwischen den Jahren 1922 und 1936 rückten Deutschland und die Sowjetunion in filmhistorischer Hinsicht eng zusammen. Im russischen Filmstudio Meschrabpom und seinem deutschen Ableger Prometheus entstanden in dieser Zeit etwa 600 Filme. Unter dem Titel „Die Rote Traumfabrik“ hat Rainer Rother, Leiter der jährlichen Berlinale-Retrospektive, um die 40 Arbeiten aus dieser Zeit zusammengestellt und setzt sowohl auf bekannte Klassiker wie Panzerkreuzer Potemkin (Bronenosez Potjomkin, 1924) und Sturm über Asien (Potomok Tschingis-chana, 1929) als auch auf zahlreiche Neu- und Wiederentdeckungen. Mal mehr, mal weniger durchdrungen von sozialistischer Ideologie, widmen sich die Filme dabei nicht nur der Vergangenheit und Gegenwart, sondern auch einer möglichen Zukunft. Wie könnte also eine ideale Gesellschaft aussehen? Oder ihr genaues Gegenteil? Weiterlesen/Lire la suite »
In ihrer berührenden Dokumentation „Call Me Kuchu“ zeigen die Regisseurinnen Katherine Fairfax Wright und Malika Zouhali-Worrall das Leben und den Kampf von schwulen und lesbischen Aktivisten und Aktivistinnen in Kampala, der Hauptstadt Ugandas. Die „Kuchus“, wie sie vor Ort genannt werden, kämpfen mutig gegen die Widerstände eines repressiven Systems für ihre Gleichberechtigung.
Der berühmteste dieser Aktivisten, David Kato, wurde im Januar 2011 ermordet. Knapp ein Jahr nach seinem Tod feiert „Call Me Kuchu“ am 11. Februar auf der Berlinale Weltpremiere. Cafebabel Berlin hatte Gelegenheit, die beiden Regisseurinnen per E-Mail zu interviewen, bevor sie in den Flieger in die deutsche Hauptstadt stiegen. Weiterlesen/Lire la suite »
Empört Euch!, das Essay von Stéphane Hessel, ist nicht nur ein großer literarischer Erfolg, sein Titel wurde auch zum europaweiten Aufschrei gegen die Krise. Auch Tony Gatlif hat ihn sich zu eigen gemacht, als Titel für seinen Film Indignados, der auf der Berlinale in der Sektion Panorama zu sehen ist. Eindrücke von der Pressekonferenz Hessel/Gatlif, zwei Männer großer Leidenschaft.
Zum zweiten Mal ist in diesem Jahr ein Mitglied in der Dialogue en perspective-Jury des Deutsch-Französischen Jugendwerks vertreten, das weder aus Deutschland noch aus Frankreich kommt. Den 23-jährigen Slowaken Matúš Krajňák hat es schon früh ins europäische Ausland gezogen. Er besuchte Filmhochschulen in Bratislava und Brüssel, war freiwilliger Mitarbeiter für die Deutsche Kriegsgräberfürsorge und hat schon mehrere kürzere Filme gedreht. Heute lebt der multilinguale Matúš in Berlin und studiert seit letztem Herbst Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie.
Was hat dich gereizt, an der Jury teilzunehmen?
Ich bin kein Filmwissenschaftler, sondern gerade auf dem Weg, Regisseur zu werden. Da habe ich mir gedacht, warum das Ganze nicht einmal von der anderen Seite betrachten. Und ich freue mich auf neue deutsche Filme. Bisher kenne ich mich mit deutschem Kino leider noch nicht besonders gut aus. Weiterlesen/Lire la suite »
Einen Film über die Anfangstage der Französischen Revolution zu drehen ist erst einmal nichts Ungewöhnliches. Was aber den neuen Film des französischen Regisseurs Benoît Jacquot (Villa Amalia) auszeichnet, ist seine Erzählperspektive. Leb wohl, meine Königin! (Les adieux à la Reine), der die Berlinale eröffnete, interessiert sich nicht für das Volk, von dem die Revolution ausging. Er spielt ausnahmslos bei Hofe, widmet sich dort aber weniger den Herrschenden als dem Dienstpersonal, allen voran der jungen Sidonie (Léa Seydoux), Vorleserin von Marie Antoinette (Diane Kruger).
Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Chantal Thomas, spielt der Film in einem Kreis Privilegierter, der von den Problemen der Außenwelt kaum etwas mitbekommt. Weltliches wie die Pest dringt höchstens mal in Form einer toten Ratte, die im venezianischen Kanal treibt, durch. Dann machen allerdings Nachrichten die Runde, die vor allem die Herrschenden stark beunruhigen: Das Volk hat die Bastille gestürmt. Als auch noch ein Flugblatt auftaucht, in dem die Köpfe der Adeligen gefordert werden, macht sich Untergangsstimmung breit. Die ersten Koffer werden gepackt. Weiterlesen/Lire la suite »
Das philippinische Elend, wie es der Westen gerne sieht
Es ist Morgen in den Slums von Manila. Eine Mutter bereitet für ihre Kinder ein spärliches Frühstück zu. Anschließend wäscht sie ihre Tochter und zieht sie hübsch an. Ein Voice-over liest dazu Regieanweisungen und legt den Schluss nahe, dass es sich hier um einen Film-im-Film handelt. Dessen Handlung ist recht einfach: Die Mutter, die Mila heißt, leidet derart unter Armut, dass sie ihre Tochter an einen pädophilen Westler verkaufen muss.
Der philippinische Regisseur Marlon Rivera hat mit seinem Spielfilmdebüt The Woman in the Septic Tank eine bitterböse Satire auf das Filmbusiness gedreht, die auch nicht mit Seitenhieben auf die Szene in seinem Heimatland geizt. Allein die Eröffnungsszene ist mit ihren dokumentarisch wirkenden Handkamerabildern und dem zurückgenommenen Spiel deutlich von der Ästhetik Brillante Mendozas inspiriert, die Story wirkt wie eine überspitzte Variante seines Films Foster Child (2007). Weiterlesen/Lire la suite »
„Neue Chancen für den gesellschaftskritischen Dokumentarfilm“ lautete das Thema von Franziskas Magisterarbeit im Fach Kommunikationswissenschaften. Seit dem Ende ihres Studiums arbeitet die junge Deutsche als freie Journalistin für den WDR. Nebenher engagiert sie sich ehrenamtlich bei Amnesty International.
Philipp Wolf, 24 Jahre, Siegen
Durch seine deutsch-katalanische Herkunft hat Philipp Kenntnisse zahlreicher europäischer Sprachen. Bevor der junge Deutsch-Spanier sein Studium der Literatur, Kultur und Medien in Siegen begann, absolvierte er seinen Zivildienst in Indien in einem Kinderheim. Was Filme angeht, ist er ein großer Fan des japanischen Regisseurs Hayao Miyasaki.
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