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Summer Wars – Nippon Connection

von/de - 16-2-2010 - Kategorien/Catégories: Deutsch, Filmkritiken / Critiques

Dass es in Japan recht heftige Konfrontationen zwischen Tradition und Moderne gibt, sollte keine aufsehenerregende Neuigkeit mehr sein. Doch genau deswegen lieben ja nicht wenige den kulturellen Output aus dem Land der roten Sonne, seine ganz eigene Schizophrenie. So präzise wie in Mamoru Hosadas Anime Summer Wars wurde dieser Riss jedoch selten gezeichnet.

In naher Zukunft ist ganz Japan einem gigantischen Netzwerk verfallen, OZ genannt. Darunter kann man sich grob eine psychedelische Variante des Social-Networks Second Life vorstellen, bevölkert von niedlichen Avataren und einer walähnlichen Gottheit namens John And Yoko. Nach einem fünfminütigen „Getting Around“-Tutorial schleudert uns Hosada aus der digitalen Wunderwelt des Internet 3.0 in die gezeichnete Wirklichkeit; Modus Videospiel macht Platz für Modus Kinofilm. Anlässlich Großmutters Neunzigstem trifft sich die Familie auf einem herrschaftlichen Anwesen in der Präfektur Nagano. Doch dann beginnt ein Leviathan von Computervirus die Accounts der OZ-User zu schlucken, Japans Infrastruktur lahmzulegen und einen Satelliten in Richtung Landsitz stürzen zu lassen. Und so ruft die alteingesessene Samuraifamilie zum Summer War.

Networking lautet das Zauberwort. Netzwerk Familie versus Netzwerk verlinkte Welt. Für Hosada ist der Mensch ein Homo communicans, sein Darwinismus ist der des „survival of the most connected“. Großmutter wählt sich am alten Telefon die Finger wund, Sohn Armeegeneral leiht von seinen Militärkollegen einen Breitband-Sendewagen, und Enkel Kazuma prügelt mit Hilfe seiner Internetfreunde den virtuellen Bösewicht windelweich. Bei aller Wildheit gelingen Hosada dabei immer wieder Momente, in denen sich das Aufeinanderprallen der Generationen und ihrer Lebensphilosophien brutal konkretisiert, etwas wenn Großmutter den düsteren Wabisuke, Programmierer des gefährlichen Virus, mit einer naginata, der traditionellen Hellebarde für Frauen, bedroht. Die Szenen im OZ-Netzwerk nerven mit ihren schaubildartigen Visualisierungen zwar manchmal (da war Ghost in the Shell eleganter); und der diffuse Nationalstolz, der die japanische Familie zu Weltenrettern stilisiert, stimmt etwas ratlos. Aber für Animefreunde gibt es auf der Berlinale trotzdem keinen Weg um Hosadas kleines Meisterwerk herum.

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