The Magic of Nigeria – Filme von Ola Balogun

Das Filmkollektiv Frankfurt gratuliert dem nigerianischen Regisseur Ola Balogun zum 70. Geburtstag. Am 31. Juli und 1. August bietet sich im Filmforum Höchst die seltene Gelegenheit, einen Einblick in sein vielseitiges Schaffen zu bekommen.

Money Power

In Black Goddess (A Deusa Negra, 1978) mach sich ein Nigerianer auf die Suche nach der Geschichte seiner Vorväter. Ein geheimnisvoller Kultgegenstand bringt ihn schließlich nach Brasilien; dorthin, wo einige seiner Landsleute einst als Sklaven verschleppt wurden. Irgendwann löchert ihn eine junge Afrobrasilianerin mit Fragen, die wohl auch ein Großteil der Europäer nicht beantworten könnte, etwa „Sprecht ihr in Nigeria alle dieselbe Sprache?“ oder „Warum ist Afrika kein Land?“. Ihr Gegenüber antwortet jedoch geduldig und erzählt ihr, dass diese Wahrnehmung Resultat einer Kolonialpolitik ist, bei der nur das Recht des Stärkeren zählte.

Ola Balogun

Ola Balogun, ein früher Vertreter des nigerianischen Kinos, nimmt mit seinen Filmen eine ähnliche Rolle ein wie sein Protagonist: Er erklärt seinen Zuschauern die Geschichte und Kultur seines Landes, jedoch nicht im Rahmen einer trockenen Lehrstunde, sondern mit stilistisch sehr unterschiedlichen Filmen, die sich nicht nur in erster Linie an das einheimische Publikum richten, sondern bei diesem mitunter auch sehr erfolgreich im Kino liefen. Zwischen 1972 und 1984, lange bevor das Nollywood-Kino Ende der 1990er Jahre seinen großen Aufschwung erlebte, hat Balogun 5 Spiel- und 14 Dokumentarfilme gedreht. Viele davon sind heute gar nicht mehr erhalten. Umso bedeutender ist es, dass das Filmkollektiv Frankfurt am 31. Juli und 1. August eine Auswahl von Baloguns Werken im Filmforum Höchst präsentiert. Es ist eine gute Gelegenheit, Einblick in eine international schwer vernachlässigte Kinematografie zu bekommen – und vielleicht die letzte Möglichkeit, einige der Filme auf 35mm zu sehen.

The Magic of Nigeria

Besonders schön ist die Dokumentation The Magic of Nigeria (1994), in der Balogun sich der Herausforderung stellt, sein Land in 50 Minuten zu erklären. Dabei geht es ihm weniger um Fakten als darum, einen sinnlichen Bilderreigen zu entwerfen, in dem sich Alltag, Religion, Politik, Musik und Tanz so selbstverständlich durchdringen, dass man es sich gar nicht mehr anders vorstellen kann. Kultur ist hier kein Begriff für Geschichtsbücher oder Museen, sondern etwas, das tagtäglich gelebt wird. Gleichzeitig räumt Balogun mit einem verbreiteten Irrglauben auf. Er kann gar nicht oft genug betonen, dass es sich bei den Masken und Drucken, die er mit ausdrucksstarker Lichtsetzung präsentiert, um ein bedeutendes Kapitel der Kunstgeschichte handelt – und nicht, wie früher häufig von westlicher Seite dargestellt, um Zeugnisse einer primitiven Gesellschaft. Wenn man Filme, die von einer anderen als unserer eigenen Welt erzählen, loben will, sagen wir oft, sie seien universell. Baloguns Filme sind dagegen ganz und gar spezifisch. Aber das ist auch gut so.

Das gesamte Programm gibt es hier

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