Studio Babelsberg zieht es zum Flughafen Tempelhof

Studio Babelsberg

Laut einer Meldung des Tagesspiegels vom vergangenen Freitag plant das Potsdamer Film-Studio Babelsberg, große Teile des Berliner Flughafens Tempelhof anzumieten, sobald der Flugverkehr dort eingestellt ist. Dies wurde anläßlich der Präsentation der Nachnutzungspläne für den Flughafen durch die Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) bekannt. Der zentral gelegene Flughafen soll noch im Herbst dieses Jahres geschlossen werden, da Berlin sich auf einen Ausbau des Peripherie-Flughafens Schönefeld festgelegt hat.

Die Vorstandsvorsitzenden der Filmstudio Babelsberg AG Carl Woebcken und Christoph Fisser haben vor, zwei der Hangars exklusiv für Filmaufnahmen zu verwenden sowie in weiteren Gebäuden TV-Shows zu produzieren und Büros anzusiedeln. Dies bedeute aber keinesfalls das Ende des traditionellen Standortes in Babelsberg, versicherte Presse-Sprecher Eike Wolf: „Es ist kein Umzug geplant, sondern eine Erweiterung.“ Dieser sei nötig, da das Studio im letzten Jahr aufgrund diverser Großproduktionen an die Grenzen seiner Kapazitäten gestoßen sei. Deshalb hatte das Film-Studio bereits 2006 sein Konzept für den Flughafen Tempelhof vorgestellt, das laut Wolf bei den zuständigen Instanzen der Stadt Berlin und des Bundes „auf Begeisterung“ stieß. Vor 2009 ist laut Tagesspiegel jedoch nicht mit der offiziellen Ausschreibung für die Gelände-Nutzung zu rechnen.

Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer geht davon aus, dass das Areal des Flughafens rund 10.000 Arbeitsplätzen Raum bieten könnte, da andere Firmen der Film- und Fernseh-Branche folgen dürften, falls sich das Studio Babelsberg in Tempelhof ansiedelt. Im Stadtviertel Tempelhof stehen bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts Film-Studios, die bis heute unter anderem von der Ufa genutzt werden. Gleichzeitig mietet die Ufa, der bis zur Enteignung durch die Sowjets 1945 das Babelsberger Gelände gehörte, aktuell auch Studios in Babelsberg an. (Zur Geschichte der Filmstudios Babelsberg siehe die Website des Filmmuseums Potsdam.)

Die Berliner CDU und FDP sind allerdings gegen die Nachnutzungspläne, da sie für ein Weiterbestehen des Flughafens plädieren. Die beiden Parteien unterstützen die von der Flugwirtschaft gegründete Bürgerinitiative ICAT, die mit ihrem Volksbegehren über 200.000 Stimmen für den Erhalt des Flugbetriebs gesammelt hat. Am 27. April sind die Berliner deshalb aufgerufen, in einem Volksentscheid über die Zukunft des Flughafens abzustimmen. Das Ergebnis ist für den Senat allerdings nicht bindend. Der bereits 1996 getroffene Beschluss zur endgültigen Schließung des Flughafens muss also auch bei einem Erfolg des Volksbegehrens nicht zwangsweise zurückgenommen werden.

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