Streifzüge durch Fassbinders Werk (9): Fernsehserien

Fassbinder Fernsehserien

Im Laufe seiner Karriere hat Fassbinder fürs Fernsehen nicht nur regelmäßig Filme, sondern auch Mehrteiler und Serien gedreht. Anders als heute, war die Arbeit für den kleinen Bildschirm damals noch nicht auf eine möglichst hohe Konsumentenfreundlichkeit beschränkt, sondern ließ auch Freiräume für Experimente. Man kann sich nur schwer vorstellen, dass momentan noch ein Sender einen formal wagemutigen, wenn auch künstlerisch streitbaren Film wie Die Niklashauser Fahrt (1970) produzieren würde. Im Format der Fernsehserie sah der Regisseur wiederum die Möglichkeit, ein größeres Publikum zu erreichen.

Vom heutigen Standpunkt aus gesehen, wo man besonders bei diversen amerikanischen Fernsehserien mit ungewöhnlich komplexen Erzählmethoden konfrontiert wird, sind Fassbinders Serien geradezu klassisch ausgefallen. Besonders mit der fünfteiligen Arbeitersaga Acht Stunden sind kein Tag (1972-72) ist Fassbinder den Konventionen des Fernsehens erschreckend nahe gekommen. Die Zugeständnisse, die er damit an herrschende Sehgewohnheiten machte, waren jedoch auch Mittel zum Zweck. Denn das Konzept der Sendung beruhte auf dem Vorhaben, möglichst viele Zuschauer mit revolutionären linken Ideen zu erreichen. Die Döblin-Adaption Berlin Alexanderplatz (1980) wirkt dagegen eher wie ein einziger, gigantischer Film, der aufgrund seiner wahnwitzigen Länge von 15 Stunden zwangsläufig in mehrere Segmente unterteilt werden musste. Dass sich Fassbinder gerade diesem Werk derart ausführlich angenommen hat, kommt nicht von ungefähr. Der Regisseur erklärte Alfred Döblins Vorlage immer wieder zu seinem Lieblingsroman, verwendete in seinen Filmen mehrmals Motive aus dem Buch und benannte seine Helden teilweise sogar nach dem Protagonisten Frank Biberkopf. Eine persönliche Note hat er seiner Adaption noch zusätzlich verliehen, in dem er einige Textpassagen aus dem Off spricht. 

Zu den Kritiken:
Acht Stunden sind kein Tag
Berlin Alexanderplatz

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