Streifzüge durch Fassbinders Werk (8): Theater, Theater

Fassbinder Theater

Das Theater nimmt im Schaffen von Fassbinder eine nicht zu unterschätzende Rolle ein. Angefangen hat er immerhin als Regisseur für das Münchner Antiteater, das sich als Gegenentwurf zum reaktionären Staatstheater verstanden hat. Ensemble und Stücke wurden dabei auch in den ersten Filmen verwertet. In Katzelmacher (1969) etwa, der auf Fassbinders gleichnamigem Theaterstück basiert, ist auch der Film noch von einer betonten Bühnenhaftigkeit geprägt. Auch später, als Fassbinder schon größere Filme drehte, kehrte er immer wieder zum Theater zurück. Die Leinwandadaption von Die bitteren Tränen der Petra von Kant (1972) ist beispielsweise ein hochartifizielles Kammerspiel, das durch Michael Ballhaus’ Kameraarbeit in eine filmische Sphäre gehoben wird.

Es gibt jedoch neben diesen theaterhaften Kinofilmen auch vier zwischen den Jahren 1970 und 1977 entstandene Fernsehspiele, die auf Bühnenstücken Fassbinders basieren: Das Kaffehaus (1970), Bremer Freiheit (1973), Nora Helmer (1974) und Frauen in New York (1977). Bis auf Letzteres vereint die Arbeiten eine technische Eigenheit, die ihnen eine Ausnahmestellung im Werk des Regisseurs einräumt. Sie wurden nämlich nicht auf Zelluloid, sondern auf Video gedreht. Doch auch neben dem unterschiedlichen Material scheint es sich in diesen momentan der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Arbeiten um einen anderen Prozess der Adaption zu handeln. Die filmischen Mittel sind subtiler, und das Theater thront deutlicher im Vordergrund. 

Zum Text:
Mensch und Möbel: Zu den Theaterfilmen Rainer Werner Fassbinders

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