Streifzüge durch Fassbinders Werk (7): Anfang und Ende einer Karriere

Fassbinder 7

Fast vierzig Spielfilme hat Fassbinder in nur dreizehn Jahren gedreht. Dabei bilden zwei, für den Zuschauer eher herausfordernde Arbeiten die Eckpfeiler seines Schaffens. Zum einen sein Einstieg in die Filmwelt mit Liebe ist kälter als der Tod (1969), zum anderen sein Abschied von selbiger mit Querelle (1982), dessen Premiere der nach einem Drogencocktail verstorbene Regisseur schon nicht mehr erlebte. Dazwischen eröffnet sich ein Werk, das ebenso viele Kontinuitäten wie Brüche kennt. In dieser Zeit folgte Fassbinder nicht nur einem hohem Arbeitsrhythmus, der heute vor allem ein Kuriosum der Vergangenheit ist, er filmte sich auch durch viele unterschiedliche Genres und Produktionsstandards.

Bei all den Unterschieden zwischen Fassbinders frühestem und spätestem Film, an denen sich ganz nebenbei eine künstlerische Entwicklung ablesen lässt, eröffnen sich doch auch einige Gemeinsamkeiten. So wird beide Male auf stark stilisierte Weise von gesellschaftlichen Außenseitern, von krimineller Energie und homoerotischen Verlangen erzählt. In die gefühlskalte Welt, die Fassbinder in seinem formalistisch spröden Gangster-Melodram Liebe ist kälter als der Tod etabliert hat, kehrt er am Ende seiner Karriere noch einmal zurück. Doch die letzten Bezüge zu einer außerfilmischen Realität, die sich in seinem Erstling etwa noch in Aufnahmen eines verlassenen Münchens finden, fehlen in Querelle. Abgewendet von der Welt da draußen, hat sich Fassbinder hier stattdessen ganz in einen künstlichen, mit schwuler Ikonografie übersäten Ausstattungskosmos zurückgezogen.

Zu den Kritiken:
Liebe ist kälter als der Tod
Querelle

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