Streifzüge durch Fassbinders Werk (6): Kain und Abel in Bayern

Wildwechsel Feature

Nur selten hat Fassbinder Filme gedreht, die nicht auf eigenen Stoffen beruhen. Für seine wenigen Adaptionen nahm er sich Klassiker der Weltliteratur vor, beispielsweise Theodor Fontanes Gesellschaftsroman Effi Briest oder Jean Genets Matrosen-Blues Querelle. Doch manchmal blieb Fassbinder bei der Wahl seiner Stoffe auch in Bayern und setzte literarische Vorlagen von Oskar Maria Graf (Bolwieser) und Marieluise Fleißer (Pioniere in Ingolstadt) um. Mit Letzterer verband ihn nicht nur die Herkunft, sondern auch die Vorliebe für sozialkritische Volksstücke mit stilisierter Alltagssprache. Einmal nannte Fleißer Fassbinder und den Dramatiker Franz Xaver Kroetz ihre Söhne. Ironischerweise, muss man sagen, denn, als der Regisseur Kroetzs Wildwechsel fürs Fernsehen verfilmte, kam es zum Eklat. 

Kroetz missfiel die Umsetzung, obwohl Fassbinder ausgesprochen texttreu inszenierte und auch ideologisch nah an der Vorlage blieb. Doch unabhängig davon, wie begründet der Ärger des Dramatikers letztlich war, steht Wildwechsel auch exemplarisch für die Macht, die ein Autor mit den Verwertungsrechten seiner Werke ausüben kann. Das ist an sich natürlich nichts Schlechtes, in diesem besonderen Fall aber durchaus bedauerlich. Denn obwohl Wildwechsel in Fassbinders Werk mehr als nur eine Randnotiz ist, bleibt er dem Publikum bis heute verwehrt. Der Grund: Für eine kommerzielle Auswertung benötigt es die Zustimmung des Autors und die verweigert Kroetz der Fassbinder Foundation bis heute. 

Zur Kritik: 
Wildwechsel

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