Streifzüge durch Fassbinders Werk (5): Die Sünden der Eltern

Fassbinder 5

Die Nachkriegsgeneration in Deutschland musste sich immer wieder mit der Nazi-Vergangenheit ihrer Eltern auseinandersetzen. Die Erbschuld war zu groß, um sie zu ignorieren. Auch Fassbinder beschäftigte sich regelmäßig mit dem dunkelsten Kapitel jüngerer deutscher Geschichte, mal explizit wie in seiner BRD-Trilogie, mal weniger explizit, durch die ideologischen Überbleibsel, die sich in den Köpfen seiner Figuren festgefressen haben. In Fassbinders Beitrag für den Episodenfilm Deutschland im Herbst (1978) und seiner ersten internationalen Koproduktion Chinesisches Roulette (1976) herrschen Generationskonflikte, die mit der NS-Zeit verknüpft sind. Beide Male wird dieser Konflikt innerhalb der Familie ausgetragen, in der fiktiven wie in der realen.

In Deutschland im Herbst macht sich Fassbinder im wahrsten Sinne des Wortes nackt. Mit einem für seine Filme eher ungewöhnlichen Authentizitätsanspruch inszeniert er eine dokumentarisch geprägte Bestandsaufnahme jener Zeit, in der sich die wütenden Kinder der RAF an ihren Eltern rächen. Unter anderem zeigt der Film eine hitzige politische Diskussion zwischen dem Regisseur und seiner Mutter. Chinesisches Roulette ist stilistisch dagegen eine ganz andere Baustelle, eine hochartifizielle Versuchsanordnung um ein Gesellschaftsspiel, das der Wahrheit dienen soll. In einem abgelegenen Ferienhaus lehnt sich die körperlich behinderte Tochter schließlich gegen ihre moralisch verwahrlosten Eltern auf. Nachdem sie auf die Frage antwortet, welche Person ihre Mutter im Dritten Reich gewesen wäre, kommt es zum verhängnisvollen Schuss.

Zu den Kritiken:
Deutschland im Herbst
Chinesisches Roulette

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