Streifzüge durch Fassbinders Werk (3): „Für Armin und alle anderen“

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In Fassbinders Leben gab es zwei tragisch endende Liebesbeziehungen, einmal mit dem Marokkaner El Hedi ben Salem und später mit Armin Meier, dem Kellner aus der berühmten Deutschen Eiche. Beide Männer übernahmen nicht nur kleinere Rollen in den Filmen des Regisseurs, sondern dienten auch als Inspirationsquelle, vor allem Meier. In seiner geradezu exhibitionistischen Episode für Deutschland im Herbst (1978) ließ Fassbinder die Grenze zwischen Kino und Privatleben vollends verschwimmen, im Reenactment einer Beziehungskrise mit Meier. Aber auch auf indirekte Weise verarbeitete Fassbinder die Zeit mit seinem Freund – insbesondere in zwei Filmen, die mit der betonten Authentizität von Deutschland im Herbst nichts am Hut haben.

Zwei Filme, die ihre Künstlichkeit ganz offen ausstellen, sind explizit Meier gewidmet. Faustrecht der Freiheit (1975), versehen mit der Widmung „Für Armin und alle anderen“, ist ein im Schwulenmilieu angesiedeltes Melodram, in dem der Protagonist von seinem Umfeld schamlos ausgenutzt wird. Die von Fassbinder verkörperte Hauptfigur ist ein naiver Proletarier, so wie der Regisseur Meier sah, aber auch wie er sich selbst immer wieder gerne inszenierte. Drei Jahre später kam es dann im wirklichen Leben zur Tragödie: Nachdem Fassbinder die Beziehung beendete, nahm sich sein Freund das Leben. Der Film In einem Jahr mit 13 Monden (1978) ist zwar aus diesem traumatischen Erlebnis heraus entstanden, hat damit aber letztlich kaum mehr etwas zu tun. Denn die Geschichte einer narzisstischen Transsexuellen, die sich nach Anerkennung verzehrt und sie genau deshalb nicht bekommt, wird zunehmend zur stark stilisierten Reflexion über emotionale und finanzielle Ausbeutung, angesiedelt in einem apokalyptisch anmutenden Frankfurt.

Zu den Kritiken:
Faustrecht der Freiheit
In einem Jahr mit 13 Monden

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