Spuren des Matriarchats – Pinoy Cinema (2)

In philippinischen Melodramen lehnen sich die Heldinnen oft gegen eine feindselige Umwelt auf. Einige nicht minder kampfbereite Frauen haben sich auch in der Filmindustrie des Landes einen festen Platz geschaffen. 

Working Girls 2

Lino Brocka und Ishmael Bernal widmeten sich immer wieder mit einem ausgeprägten sozialen und politischen Bewusstsein der populären Form des Melodrams. Mehr noch als Brocka konzentrierte sich Bernal dabei häufig auf starke Frauenfiguren, die ihr Leben unter ungünstigen Umständen bewältigen müssen. In seinen Filmen stehen weibliche Stars im Rampenlicht, ohne dass dabei die Probleme des Alltags unter den Tisch fallen würden. Mit Vilma Santos drehte er 1982 Relasyon, worin sich die Hauptfigur aus einer erdrückenden Ehe befreien möchte und dabei nicht nur emotional, sondern auch juristisch an ihre Grenzen gerät (ein Jahr später drehte Bernal mit Santos den thematisch ähnlich gelagerten Broken Marriage). Produziert wurde Relasyon von Lily Monteverde, die bis heute eine einflussreiche Rolle im philippinischen Filmbusiness spielt. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in den Studios und Produktionsfirmen des Landes mächtige Frauen, die mit strenger Hand regierten und von ihren Untergebenen sogar als Mütter angesprochen wurden. „Mother Lily“ machte sich als knallharte Geschäftsfrau, die oft mehr wirtschaftlichen als künstlerischen Interessen folgte, verständlicherweise nicht nur Freunde. Der junge Regisseur Raya Martin ließ sie in seinem Kurzfilm Long Live Philippine Cinema! (2009) sogar hinrichten, um das philippinische Kino zu retten.

Regisseurinnen hatten es dagegen schwerer. Obwohl es mit Carmen Concha sogar in den 1930er Jahren schon eine Filmemacherin gab, waren Frauen, die es ihr gleichtaten, bis in die 80er Jahre eine Seltenheit. Eine von ihnen war Marilou Diaz-Abaya, die zu den zentralen Figuren des Zweiten Goldenen Zeitalters zählte und sich in ihren Regiearbeiten vornehmlich gesellschaftlichen Außenseitern widmete. Neben José Rizal (1998) einem Biopic über den gleichnamigen philippinischen Nationalhelden – ist Karnal (1983) einer ihrer bekanntesten Filme. Basierend auf einem Tatsachenbericht aus einem Lifestyle-Magazin, erzählt er von einer jungen, aufgeweckten Verkäuferin aus Manila, die ihrem Geliebten zu dessen Familie in die Provinz folgt und dort an den patriarchalen Strukturen zerbricht.

Zu den Texten:

Relasyon

Karnal

 

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