Souleymane Cissé zu Besuch

In Tübingen, Stuttgart und Berlin bietet sich kommende Woche die Gelegenheit, einen der bedeutendsten Vertreter des afrikanischen Kinos kennen zu lernen.

Den Muso

Ein stummes Mädchen wird vergewaltigt, ohne Mitleid oder Hilfe zu erfahren. Stattdessen wird sie von der Gesellschaft wie auch von ihrer Familie verstoßen. Mit seinem ersten Langfilm Das Mädchen (Den muso, 1975) wollte Souleymane Cissé die Gewalt gegen Frauen ins öffentliche Bewusstsein rücken und eckte damit gleich bei der malischen Regierung an. In der Folge wurde der Film verboten und Cissé ins Gefängnis gesteckt, weil er mit französischen Fördergeldern gedreht hatte. Auch mit späteren Arbeiten wie Der Lastenträger (Baara, 1979) und Die Zeit des Windes (Finye, 1982) gab sich der Regisseur konfrontativ. Mit einem Arbeiter, der sich gegen seinen ausbeuterischen Firmenchef auflehnt und einem jungen Paar, das sich von den überholten Idealen der Eltern emanzipiert, weisen Cissés Filme kämpferisch in eine bessere Zukunft. Gerade sein im Ausland bekanntester Film Yeelen (1987) wendet sich dagegen mit einer mythischen Heldenreise entschieden von der Gegenwart ab. Man kann die Popularität des Films mit seiner Exotik abtun, seiner faszinierenden Strahlkraft tut das aber keinen Abbruch.

Baara

Neben Ousmane Sembène zählt Cissé zu den wohl wichtigsten Regisseuren Westafrikas. Bis heute dreht er Filme von politischer Sprengkraft und schlichter poetischer Schönheit. Filme, die mit ihrer singulären Ästhetik immer noch ihresgleichen im Weltkino suchen. Gleich in drei deutschen Städten bekommt man nun einen Einblick in diesen filmischen Kosmos. Zunächst gibt es auf den Französischen Filmtagen in Tübingen vom 30. Oktober bis zum 6. November eine fast komplette Retrospektive zu sehen, bei der Cissé auch anwesend sein wird. Am 3. und 5. November wird in Stuttgart und Berlin außerdem Die Zeit des Windes gezeigt. Auch hier steht der Regisseur jeweils zum Gespräch bereit.

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen gibt es hier

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