Seijun Suzuki: Retrospektive

Das Berliner Arsenal zeigt im August dreizehn Filme des grenzüberschreitenden Regisseurs Seijun Suzuki.  

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Kino ist Kunst und Handwerk zugleich, wobei gerade in größeren Studios häufig die Auffassung vertreten wird, der Regisseur sei bloß ein austauschbarer Dienstleister. Der japanische Filmemacher Seijun Suzuki wollte mit seinen stilisierten Genrebeiträgen dagegen mehr als nur Publikumserwartungen erfüllen. In seinen vierzig Filmen für das Studio Nikkatsu ließ er keine Gelegenheit aus, das Vertraute hinter sich zu lassen. Seine Filme waren B-Movies, die sich mit ihrem Schattendasein als vermeintlich schwächerer Teil der damals üblichen Double Features nicht abfinden wollten. Mit einem schier unbegrenzten Repertoire an visuellen Mitteln erzählen sie von der emotionalen Verwahrlosung ihrer Figuren.

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Die künstlerische Freiheit bei diesen Auftragsarbeiten war auf den ersten Blick stark begrenzt: Das Drehbuch war ebenso vorgegeben wie die Besetzung. Doch während Suzuki seine Zuschauer einerseits mit den Schauwerten von Melodram und Gangsterfilm verwöhnte, forderte er sie andererseits mit wilden Formexperimenten heraus. Besonders mit dem Übergang zum Farbfilm machte sich Suzuki die ästhetische Grenzüberschreitung zum Prinzip. Bei Nikkatsu führte dieser konsequente Ungehorsam schließlich zu seiner Entlassung.

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Die dreizehn Filme, die im Berliner Arsenal auf dem Programm stehen, zählen überwiegend zu den bekannteren Werken des japanischen Regisseurs. Klassiker, wie die extravaganten Yakuza-Filme Tokyo Drifter (1966) und Branded to Kill (1967), werden ebenso gezeigt wie die zwischen 1980 und 1991 entstandene Taisho-Trilogie, bei der sich Suzuki bereits von den Fesseln der Studios befreit hatte. Insgesamt ist die Auswahl vielleicht etwas kanonisch geraten. Gerne hätte man mehr über die blinden Flecke in Suzukis reichhaltiger Filmografie erfahren. Dafür sind alle Filme als 35mm-Kopien zu sehen, was selbst im gegenwärtigen Kinemathekenbetrieb keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Zudem ist die Japan Foundation, mit deren Beteiligung die Retrospektive entstanden ist, meist ein Garant für erstklassige Kopien. Gerade bei den schillernden Ausschweifungen von Suzukis Farbfilmen ist es erfreulich, dass man nicht auf die häufigen Farbverfremdungen digitaler Fassungen angewiesen ist, sondern die Bilder in ihrer vollen Pracht genießen kann.  

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