Schauplatz Körper – Tribute to Peter Kern

Bloß nicht die Goschn halten! Anlässlich seines 65. Geburtstags besucht Peter Kern am Wochenende das Berliner Arsenal. Mitgebracht hat er eine kleine Auswahl seiner Filme und einige illustre Gäste.

Domenica

Die Prominenten in Gérard Courants Cinématon-Reihe haben für ein paar Minuten die Möglichkeit, vor der statischen Kamera alles zu tun, was sie wollen. Ausgerechnet Peter Kern fallen dabei immer wieder die Augen zu. Man mag es gar nicht glauben, denn obwohl Kern besonders im höheren Alter wegen seines Übergewichts nur noch eingeschränkt bewegungsfähig ist, hat man das Gefühl, dass dieser charmante, aber auch leicht erregbare Mann nie zur Ruhe kommt. Kern kämpft unermüdlich für eine bessere Welt, und Gnade dem, der ihn daran zu hindern versucht. Als das Wiener Metro Kino ihm vor einigen Jahren eine komplette Retrospektive widmete, war sich der Regisseur nicht zu schade, bei jeder Vorführung anwesend zu sein. Und sobald einer der wenigen anwesenden Zuschauer den Saal frühzeitig verlassen wollte, stellte er ihn zur Rede oder versperrte ihm mit gar mit seinem Gehstock den Weg.

Sarah und Sarah

An dem häufig zu hörenden Vorwurf, Kern sei ein Selbstdarsteller und seine Filme dilettantisch, ist durchaus etwas dran, nur sollte man das nicht als Nachteil sehen. Was Kerns Regiearbeiten an ausgefeilter Dramaturgie und Figurenzeichnung fehlt, gleichen sie mit ihrer Unberechenbarkeit und Leidenschaft aus, mit der sie ebenso naiv wie sozial engagiert von den Ausgebeuteten unserer Gesellschaft erzählen. Um mit Herbert Achternbusch zu sprechen: Seine Figuren haben keine Chance, aber sie nutzen sie – mit aller Kraft und bis zum versöhnlichen Happy End. Wie die Huren und Stricher, die Waisen und Dicken, die Einsamen und Liebesbedürftigen, ja all die prekären Existenzen, von denen Kern immer wieder erzählt, bewegt sich auch der Regisseur selbst mittlerweile am Rande der Gesellschaft. Die Zeiten, in denen er mit Fassbinder, Wenders, Syberberg, Schroeter und Schlingensief drehte, sind schon lange vorbei. Heute lebt er in einer kleinen Wohnung in der Wiener Großfeldsiedlung und kann kaum seine Rechnungen bezahlen. Filme dreht er natürlich auch weiterhin, zum Beispiel Sarah und Sarah, mit dem am Freitag, den 14. August eine kleine Filmreihe im Berliner Arsenal eröffnet wird, die Kern zu seinem 65. Geburtstag gewidmet ist.

Crazy Boys

Neben Hans W. Geißendörfers Der Sternsteinhof (1975) stehen nur drei von Kerns Regiearbeiten auf dem Programm. Einer von ihnen ist der ziemlich durchgeknallte Crazy Boys (1989), in dem eine Hamburger Drag-Bar zum Stripclub für Frauen umfunktioniert wird und als Schauplatz hochdramatischer emotionaler Verstrickungen dient. Außerdem gezeigt wird Domenica (1993), der mit einer Mischung aus Dokumentation und Fiktion die gleichnamige Hure und Sozialarbeiterin porträtiert, die wegen ihrer gesellschaftlich geächteten Profession und ihrer Hemdsärmeligkeit ohnehin so wirkt, als hätte Peter Kern sie für seinen Film erfunden. Neben dem Regisseur selbst werden unter anderem auch Irm Hermann, Bibiana Beglau, Axel Ranisch und Rosa von Praunheim als Gäste erwartet. Und wer ernsthaft in Erwägung zieht, die Vorstellung vorzeitig zu verlassen, sollte sich vor dem Gehstock in Acht nehmen.

Das gesamte Programm gibt es hier

Kommentare zu „Schauplatz Körper – Tribute to Peter Kern“

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.