Remembering Mario O'Hara

Vor einem Jahr ist der philippinische Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur Mario O'Hara verstorben. Das Far East Film Festival will Tribut zollen, findet aber nur einen Film. 

Demons

Es hätte eigentlich eine Retrospektive werden sollen. Nachdem der philippinische Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur Mario O'Hara im Sommer letzten Jahres verstorben ist, wollte man ihn auf dem Far East Film Festival in Udine mit einer Auswahl seiner Regiearbeiten gedenken. Kein leichtes Unterfangen, wie sich herausstellen sollte. Obwohl die Philippinen ein ausgesprochen spannendes und facettenreiches Filmland sind, fehlt leider das Geld, um das filmische Erbe zu bewahren. Das zeigt sich aktuell etwa daran, dass Lino Brockas Meisterwerk Manila in the Claws of Neon (1975) – immerhin einer der bedeutendsten Beiträge des philippinischen Kinos – erst jetzt und nur dank der Unterstützung von Martin Scorseses World Cinema Foundation restauriert wird. Bei O'Hara sieht es jedoch noch deutlich schlechter aus. Um ihm in Udine Tribut zu zollen, fand man letztlich nur eine einzige brauchbare 35mm-Kopie.

Demons 1

Demons (Pangarap ng puso) aus dem Jahr 2000 zeigt zunächst exemplarisch, wie sich O'Hara stilistisch von den Arbeiten Lino Brockas abgrenzt. Für einige der bekanntesten Filme des Übervaters des philippinischen Kinos hat O'Hara Drehbücher verfasst und in einigen sogar mitgespielt. Und auch wenn sich bei Demons dasselbe soziale Engagement und die Sympathie mit den Entrechteten abzeichnet, wie etwa bei Weighed But Found Wanting (Tinimbang ka ngunit kulang, 1974), ist der Realismus hier immer auch ein magischer. Im Zentrum der Handlung steht die Liebesgeschichte zwischen der Tochter eines Großgrundbesitzers und einem armen Arbeiterjungen. Obwohl dabei der soziale Unterschied immer wieder thematisiert wird – etwa wenn das Mädchen ihrem hungernden Bewunderer etwas vom edlen Essen abzweigt –, sind es nicht die unüberbrückbaren Klassenschranken, die zum Problem werden, sondern das repressive politische Klima, das durch einen Haufen sadistischer Soldaten personifiziert wird, der im Dschungel auf Terroristenjagd geht.

Doch so ganz greifen lässt sich der Film dabei nicht. Demons ist so märchenhaft wie er ernüchternd ist, so brutal wie er wunderschön ist. Überall findet sich eine verstörende Ambivalenz. So wird zunächst die Sexualität des jungen Paares auf sehr spielerische Weise erforscht. Da reicht eine einfache Errektion als Auslöser, um jubelnd durch den Wald zu rennen und das aufgehitzte Gemüt im Fluss abzukühlen. Erst gegen Ende erfährt die Sexualität eine Umdeutung, wird plötzlich als Mittel zur Unterdrückung und Demütigung missbraucht. Die größte Besonderheit des Films sind aber die Dämonen, für die O'Hara nicht mehr benötigt als eine Gruppe langhaariger, schwarz angemalter Statisten. Sie kommen meist dann zum Vorschein, wenn sich die dunkle Seite der menschlichen Natur offenbart, die Triebhaftigkeit und Zerstörungswut. Doch auch hier ist der Dämon eben nicht nur der Inbegriff des Bösen, sondern auch eine Art Waldgeist, mit dem das Mädchen auf liebevolle Weise im Dschungel spielt. Und das ist auch das Verunsichernde an Demons, dass sich seine wild wuchernde Traumwelt von allen Vereinfachungen befreit hat.

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