Preis der deutschen Filmkritik

Als heute die Nominierungen für den Preis der deutschen Filmkritik bekannt wurden, reichten die Reaktionen von Rätselraten über Schockstarre bis zu blankem Entsetzen.

Nominiert in der Kategorie bester Spielfilm sind:

Boxhagener Platz (Regie: Matti Geschonneck)
Das letzte Schweigen (Regie: Baran bo Odar)
Die Fremde (Regie: Feo Aladağ)
Drei (Regie: Tom Tykwer)
Goethe! (Regie: Philipp Stölzl)
Habermann (Regie: Juraj Herz)
Vincent will meer (Regie: Ralf Huettner)
Wir sind die Nacht (Regie: Dennis Gansel)

Was im Umkehrschluss heißt:

Unter anderem nicht nominiert sind:

Im Schatten (Thomas Arslan)
Der Räuber (Benjamin Heisenberg)
Orly (Angela Schanelec)
Rammbock (Marvin Kren)
Renn, wenn Du kannst (Dietrich Brüggemann)

 

Schon in den vergangenen Jahren machte der Preis der deutschen Filmkritik mit haarsträubenden Entscheidungen auf sich aufmerksam, unter anderem, als Sönke Wortmanns Deutschland. Ein Sommermärchen als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde. Ihr Gesicht wahrte die Veranstaltung einzig mit dem regelmäßigen Entschluss, Christian Petzolds neuesten Film zu dekorieren. Doch schon im letzten Jahr, als Michael Hanekes Das weiße Band nach diversen mehr oder minder hochrangigen Auszeichnungen auch noch diesen Preis (und etliche Nebenkategorien) gewinnen musste, wurde deutlich, dass hier vor allem vermeintlich Bewährtes nachträglich abgenickt wird.

Zum Teil verantwortlich für diese skurrilen Entscheidungen sind die Regularien. Eine Handvoll Freiwilliger wütet in den sogenannten Nominierungsjurys. Wie man heute sieht, mit zum Teil verheerenden Folgen.

Und natürlich liegt es auch an der Zusammensetzung des Verbands.

Die heutige Nominierung sagt einiges aus über den Zustand der deutschen Filmkritik und des Verbandes, der sie vertritt.

Wir denken nach wie vor, dass eine solche Organisation wichtig sein kann. Letztlich liegt es jetzt an uns, an jedem einzelnen Filmkritiker selbst, dieses Bild, das wir momentan von uns zeichnen, in der Zukunft zu korrigieren.

Kommentare zu „Preis der deutschen Filmkritik“


Ralph Thiele

Ein entbehrlicher Beitrag.
Sascha Keilholz diffamiert die Nominierten und und deren Leistung. Er nennt Nichtnominierte und beschädigt sie dadurch. Er kritisiert den Verband und die im Verband engagierten Filmkritiker. Er macht sich über die Formulierung "Wir denken nach wie vor ..." zum ungefragten Sprecher der nicht engagierten Filmkritiker und kritisiert auch diese und sich selbst.
Ein wahrer Kritiker - rundum kritisch.

Übrigens - mir gefallen die Nominierungen. Mein Glückwunsch geht an die Nominierten!


Christian Alt

Ein absolut nicht entbehrlicher Beitrag!
Das, was der Verband da nominiert hat, entbehrt nicht nur großteils jeglicher Grundlage, sondern toppt sogar den Wahnsinn, der aus den Büros der FBW strahlt.

Um eine Leistung diffamieren zu können, muss erst einmal eine vorhanden sein. Das kann ich zum Beispiel bei Goethe! nicht feststellen.

Wenn Sie an dem Niveau und der fehlenden Objektivität von Herrn Keilholz zweifeln, sollten Sie seine Rezensionen, die (wie alle bei critic.de) zu den besten im deutschsprachigen Internet gehören.

Es bleibt zu hoffen, dass der Verband nächstes Jahr ein anderes Bild der deutschen Filmkritik zeichnet.


Ciprian David

Vor allem wenn man bedenkt, dass gerade die Filmkritik den Teil der Filmwirtschaft ausmacht, der sich am ehesten gegen das Muster einsetzen soll, nachdem hierzulande Filme entstehen dürfen. Die Kritiker wollen doch nicht ein Teil der Weichspülmaschinerie sein, oder ist das nur in der Theorie so?

Aber, wie Sascha Keilholz in Bezug auf Das Weiße Band schreibt: vieles funktioniert leider nur über das Abnicken des Bewährten.

Was das Diffamieren der Nominierten und ihrer Leistung angeht, ich finde Sascha Keilholz macht in seinem Beitrag genau das, was VDF nicht gelingt: kritischen Abstand nehmen und kontextualisieren.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.