Paul Newman gestorben

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Bei seinem letzten Fernsehauftritt im Mai 2007 gab Paul Newman seinen Rücktritt von Leinwand und Bühne bekannt; als Gründe nannte er neben einem nachlassenden Gedächtnis fehlendes Selbstvertrauen und schwindende Fantasie. Die Äußerung war durchaus bezeichnend für den Schauspieler, der, ohne zu kokettieren, immer eine gewisse Skepsis gegenüber seinem Beruf und seinen Fähigkeiten bewahrte. Zweifel, die freilich kaum jemand teilte. Mit Paul Newman ist am Freitag eine der größten und meistverehrten Hollywood-Legenden aller Zeiten gestorben.

Der 1925 in Cleveland, Ohio geborene Newman sammelte bereits als Kind Schauspielerfahrung an Provinzbühnen. Nach dem Besuch der Yale School of Drama studierte er, unter anderem neben Eli Wallach und Rod Steiger, ab 1952 am New Yorker Actor’s Studio. 1953 debütierte er am Broadway mit dem Musical Picnic, noch im selben Jahr ging er nach Hollywood, wo er nach anfänglichen Misserfolgen in der Rolle des Boxers Rocky Graziano in Robert Wises Die Hölle ist in mir (Somebody Up There likes me, 1956) den Durchbruch schaffte. In der Folge wurde er zu einem der vielseitigsten und gefragtesten Schauspieler Hollywoods – einer der attraktivsten war er ohnehin: der Mann mit den vielleicht meistbesungenen blauen Augen der Filmgeschichte.

Newman arbeitete mit zahlreichen großen Regisseuren von Michael Curtiz bis Arthur Penn, von John Huston bis Alfred Hitchcock, von Robert Altman bis Martin Scorsese zusammen. Zu seinen berühmtesten Rollen gehören der von Vaterkomplex und Alkoholsucht gequälte Ehemann von Elizabeth Taylors Margaret Pollitt in Die Katze auf dem heißen Blechdach (Cat on a Hot Tin Roof, 1958) und der so virtuoser wie spielsüchtige Billardspieler in Haie der Großstadt (The Hustler, 1961). An der Seite von Robert Redford, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband, war er in den Klassikern Butch Cassidy und Sundance Kid (Butch Cassidy and the Sundance Kid, 1969) und Der Clou (The Sting, 1973) zu sehen. Paul Newman spielte gerne Außenseiter- und Verlierer-Figuren, und anders als viele seiner Kollegen vom Actor’s Studio widerstand er dabei stets der Versuchung des Over-Acting: Auch seinen düstereren Rollen gab er immer eine gewisse zurückhaltende Ironie und Lakonie.

Seit Ende der 1960er Jahre war Newman auch erfolgreich als Produzent sowie als Regisseur von insgesamt sechs Filmen tätig. Nur ein Erfolg blieb ihm lange versagt: Trotz zehnmaliger Oscar-Nominierung erhielt er den Preis für die beste Hauptrolle erst 1987, als er sich in Scorseses Haie der Großstadt-Fortsetzung Die Farbe des Geldes (The Color of Money, 1986) vom jungen Tom Cruise – allerdings nur beim Billard – an die Wand spielen ließ. Zur Preisverleihung, einer jener viel zu späten Wiedergutmachungsversuche der Academy, ist er allerdings nicht erschienen.

Einen zweiten Oscar erhielt er 1994 für sein soziales Engagement. Auch auf diesem Feld betätigte er sich mit dem ihm eigenen Charme und Witz: Der Erlös, den er in zahlreiche karitative Projekte steckte, stammte aus dem Gewinn seines Spaghetti- und Salatsaucen-Labels Newman’s Own, das er 1982 halb im Scherz gegründet hatte. Schon in den 1960er Jahren war Newman in der Bürgerrechtsbewegung und für die Demokraten aktiv, was ihm einen Ehrenplatz auf Richard Nixons Feindesliste bescherte – Newman selbst nannte dies seine größte je erhaltene Auszeichnung.

Neben dem Film, der Kochkunst und dem sozialen Engagement hegte Newman eine – seit 1977 professionell betriebene – Leidenschaft für Autorennen, von der er bis ins Alter nicht ließ. Auch als Schauspieler blieb er so aktiv wie wandlungsfähig. Zu den Glanzlichtern seines Spätwerks gehören unter anderem Hudsucker – Der große Sprung (The Hudsucker Proxy, 1994) der Coen-Brüder, Sam Mendes’ Road to Perdition (2002), wo er als alternder Gangsterboss und Gegenspieler von Tom Hanks auftrat, und Robert Bentons Nobody’s Fool – Auf Dauer unwiderstehlich (Nobody’s Fool, 1994).

Über sein Krebsleiden, von dem schon seit längerem immer wieder zu hören war, hat er nie öffentlich gesprochen. Am 26. September 2008 ist Paul Newman im Alter von 83 Jahren in seinem Haus in Westport, Connecticut gestorben.

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