No Comfort Zone – Retrospektive Denis Côté im Arsenal

Das Arsenal zeigt vom 12. bis 23. April alle sieben Langfilme des kanadischen Filmemachers.

Bestiaire 01

Der frankokanadische Regisseur Denis Côté ist ein Formalist. Die Textur jeder Einstellung scheint streng komponiert, behutsam austariert und ästhetisch stark aufgeladen. Zur betonten Visualität kommt eine zumeist sehr pointiert gesetzte Tonspur – selbst bei seinem etwas aus dem Gesamtwerk fallenden, weil dem Dokumentarischen entspringenden Forums-Beitrag auf der Berlinale 2012, Bestiaire, enttarnte Côté die vermeintlichen O-Töne im Gespräch als größtenteils nachträglich hinzugefügt. Heraus kommt dabei aber bemerkenswerterweise kein emotionslos abgehobenes Kunstkino, ganz im Gegenteil: Côté zielt mit aller Intensität auf die Gefühlsregister seiner Zuschauer. Diese Vereinnahmung des Rezipienten – die Filme erzeugen zuweilen eine ungeheuer starke Sogwirkung – erfolgt konsequent über die Form, für psychologische Identifikationsprozesse bleiben gerade auch die skurrilen Figuren zu randständig und undurchsichtig. In Côtés Wettbewerbsfilm der diesjährigen Berlinale, dem dröhnenden Vic+Flo haben einen Bären gesehen (Vic+Flo ont vu un ours), sind es zwei weibliche Ex-Häftlinge, die in einem abgelegenen Häuschen im Wald versuchen, mit ihrer neu gewonnenen Freiheit klarzukommen, dabei aber immer wieder von einer Außenwelt, die mal mehr und mal weniger offensichtlich mit ihrer Vergangenheit verknüpft ist, letztlich auf sehr physische Weise gestört werden. Durch das trickreiche Montieren von Versatzstücken eines Genrekinos des Unheimlichen – Thriller, Horror, Mindgame – mit Settings und Motiven, die märchenhafte Züge tragen, führt uns das Kino Côtés immer wieder auf falsche Fährten und kreiert ein Gefühl des Unbehagens, das es zu genießen gilt. Es lockt das Kino des Rohen, zuweilen misanthropisch Düsteren. Und sieht dabei auch noch so verdammt gut aus.

Vic et Flo ont vu un ours 02

Das Arsenal zeigt vom 12. bis 23. April alle sieben Langfilme des kanadischen Filmemachers. Besonders erfreulich ist dabei, dass Côté, der sich in seiner Heimat neben der Regie-Tätigkeit auch als Cinephiler und Filmkritiker engagiert, zu gleich fünf Terminen der Retrospektive persönlich anwesend sein wird.

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