Monatsüberblick April: Filmfestivals und Auszeichnungen

Der April bietet ein breites Spektrum an Festivals auf der ganzen Welt. Neben internationalen Großveranstaltungen wie den Festspielen in Tribeca (New York) oder Istanbul, locken auch spezialisierte Festivals wie die auf Japan fokussierte Nippon Connection in Frankfurt am Main oder das deutschlandweit statt findende Queer-Festival Verzaubert mit ihrem Angebot. Und dank des Lola Festivals im Rahmen des Deutschen Filmpreises 2008 ist auch in kleineren Städten für ein vielfältiges Programm gesorgt.


Vom 2. bis 23. April präsentiert Verzaubert – Internationales Queer Filmfestival in vier deutschen Großstädten (München 2.-9.4., Frankfurt am Main 9.-16.4., Köln, 10.-17.4., Berlin 16.-23.4.) rund 100 Filme zu vielfältigen Formen von Liebe und Sexualität jenseits der gesellschaftlichen Normen. Die Preisträger werden dabei durch Publikumswahl bestimmt. Rund um das Festival finden zahlreiche Diskussionen und Lesungen zum Thema sexuelle Identität statt.

Unter Cineasten genießt ostasiatisches Kino eine große Wertschätzung. Eine der kreativsten und am stärksten ausdifferenzierten Filmlandschaften bietet wohl Japan, dem sich die Nippon Connection vom 2.-6. April in Frankfurt am Main verschrieben hat. Der Schwerpunkt des Festivals liegt auf aktuellen Kinoproduktionen und Animationsfilmen. Besondere Erlebnisse verspricht auch das Rahmenprogramm, in dem unter anderem Tee- und Sake-Zeremonien, Papiertheater-Vorstellungen, Manga-Workshops und – unvermeidlich – Karaoke-Abende zu finden sind.

Dem südostasiatischen Kino wird vom 4.-14. April beim Singapore International Film Festival ein Forum geboten. Unter den mehr als 200 Filmen aus über 40 Ländern sind Produktionen aus Singapur, Vietnam, Indonesien und den Philippinen am stärksten vertreten. Doch die Aufmerksamkeit der etwa 30.000 Besucher wird auch auf westliches Kunstkino gelenkt. So werden unter anderem Catherine Breillats neuer Film The Last Mistress, Guy Maddins atmosphärisch überwältigende Ode an den Deutschen Expressionismus Brand Upon the Brain (2006) und, dank einer Kooperation des Festivals mit dem Goethe-Institut, Werke von Rainer Werner Fassbinder vorgestellt.

In Istanbul konkurrieren vom 5.-20. April 12 Filme aus aller Welt um die Goldene Tulpe, den Wettbewerbs-Preis des Istanbul International Film Festival. Unter den insgesamt rund 200 Werken dominieren internationale Großproduktionen (Die Schwester der Königin, I´m not There) und Autoren-Filme wie der Berlinale-Sieger Tropa de Elite oder das US-Remake von Michael Hanekes Meisterwerk Funny Games. Doch in speziellen Sparten sind auch türkische Klassiker, Horrorschocker und surreale Bilderwelten zu finden. Eine Retrospektive beschäftigt sich mit der 68er-Generation. Begleitet wird das Festival von Filmgesprächen, einer Ausstellung und einem Nachwuchsförderprogramm.

Noch eine Nummer größer ist das vom 8.-20. April stattfindende Buenos Aires International Film Festival in Argentinien, das jährlich von rund 260.000 Zuschauern besucht wird. Das Festival zeigt vor allem Filme aus der weltweiten Festival-Szene und internationale Independent-Produktionen. Die Festspiele existieren seit 1999 und werden vom argentinischen Kultusministerium veranstaltet. Wie bei der Berlinale, gibt es auch hier einen Talent Campus für filmische Nachwuchshoffnungen.

In Wiesbaden beschäftigt sich das goEast - Festival des mittel- und osteuropäischen Films vom 9.-15. April mit dem filmischen Schaffen zwischen Polen und Tadschikistan. In diesem Jahr laufen auf dem 2001 vom Deutschen Filminstitut gegründeten Veranstaltung rund 150 Filme aus 20 Ländern von A wie Albanien bis W wie Weissrussland. Im Wettbewerb geht es um die Trophäe der Goldenen Lilie. In einer Nebensektion widmet man sich in diesem Jahr Filmen aus den Staaten Ex-Jugoslawiens. Der Ungar Benedek Fliegauf (Dealer, 2003) und der sowjetische Regisseur Sergej Paradžanov werden durch Retrospektiven geehrt. In der Sparte Signatur finden sich eigenwillige Werke jenseits des Mainstreams ein, darunter Igor Vološins atmosphärisch-surreales Drama Nirvana über die russische Seele nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion.

Das britische und irische Kino verfügen seit 2000 über eine eigene Bühne: Das Festival Britspotting in Berlin (10.-16.4.) mit Nachspielen in Köln (24.-27.4.) und Stuttgart (1.-4.5.). Die Preisträger der aus England, Schottland, Wales, Nordirland und Irland stammenden Filme in den Kategorien „Best Short Film“ „Best Feature Film“ werden vom Publikum gewählt. Außerhalb des Wettbewerbs werden vom Londoner Club des Femmes Kurzfilme und Videoarbeiten mit queerem Inhalt präsentiert. Außerdem wirft das diesjährige Festival ein Schlaglicht auf den vielseitig aktiven Künstler Isaac Julien (Derek, True North).

Am 13. April werden die Hong Kong Film Awards 2008 verliehen. Mittlerweile existieren für die seit 1982 vergebenen Preise insgesamt 19 Kategorien. Zu den am häufigsten nominierten Kandidaten zählen in diesem Jahr The Postmodern Life of my Aunt von Ann Hui und The Warlords von Peter Chan.

Das Viareggio European Film Festival in Italien (Viareggio 15.-19.4., Rom 21.-25.4.) steht, wie schon der Name sagt, ganz im Zeichen des europäischen Kinos. Seit 2007 werden dabei jedoch nicht mehr Werke aus allen Ländern Europas gezeigt, sondern jeweils ein Land als alleiniger Fokus auserkoren. Nachdem im letzten Jahr alle Aufmerksamkeit dem spanischen Film galt, steht nun bei der 25. Auflage des Festivals der deutsche Film im Scheinwerferlicht. Bereits angekündigt haben sich unter anderem Edgar Reitz, Alexander Kluge, Volker Schlöndorff, Margarethe von Trotta und Mario Adorf zu den Vorführungen von Heimat-Fragmenten (Reitz, 1984-2006), Die Blechtrommel (Schlöndorff, 1979) und Aguirre, der Zorn Gottes (Herzog, 1972). Begleitet wird die Veranstaltung von einer Ausstellung historischer Plakate zu deutschen Filmen.

In Dresden dreht sich vom 15.-20. April alles um Kurzfilme – und zwar auf dem Filmfest Dresden. Zum 20. Jubiläum des Festivals sind 69 Filme aus 21 Ländern vertreten, die um den Goldenen Reiter konkurrieren. Unter den vor allem aus Großbritannien, Spanien, Frankreich und Rumänien stammenden Produktionen sind sowohl Kurzspielfilme als auch Dokumentationen und experimentelle Werke. Nach dem 20. April geht das Festival auf Tournee durch 19 weitere deutsche Städte.

Beim Lola Festival werden vom 16.-20. April in 15 deutschen Städten sämtliche Kandidaten der drei Hauptkategorien (Bester Spielfilm, Bester Dokumentarfilm, Bester Kinder- und Jugendfilm) des Deutschen Filmpreises 2008 zu sehen sein. Zu den Favoriten zählen in diesem Jahr Doris Dörries sechsfach nominiertes Drama Kirschblüten – Hanami, Fatih Akins mit fünf Nominierungen bedachter Episodenfilm Auf der anderen Seite und das in vier Kategorien vorgeschlagene Werk Yella von Christian Petzold. Der Deutsche Filmpreis 2008 wird am 25. April im Berliner Palais am Funkturm verliehen. Die Auszeichnungen der Deutschen Filmakademie werden bei einer von der ARD übertragenen Gala überreicht.

Ebenfalls in der Bundeshauptstadt findet achtung berlin statt. Vom 16.-22. April werden im Berliner Kino Babylon Spiel- und Dokumentarfilme gezeigt, die in der Region Berlin-Brandenburg oder von dort ansässigen Filmemachern produziert wurden. Nach der Berlinale und dem Kurzfilmfestival Interfilm ist dies das meistbesuchte Festival Berlins.

Das Tribeca Film Festival (23.4.-4.5.) in New York ist mit seinen 400.000 Besuchern fast so populär wie die Berlinale. Seit 2002, als das Festival von Jane Rosenthal and Robert De Niro zur Wiederbelebung des vom 11. September schwer getroffenen Stadtviertels TriBeCa (Triangle Below Canal Street) ins Leben gerufen wurde, werden hierbei jährlich über 250 Filme gezeigt. Neben Premieren großer Hollywood-Produktionen finden auch Kunst- und Autorenfilme sowie lokale Independent-Produktionen ihren Weg nach Tribeca.

Innovatives, oftmals überraschendes Filmschaffen ist bei den Potsdamer Sehsüchten (23.-27.4.), dem größten studentischen Filmfestival Europas, zu entdecken. Das von der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam veranstaltete Festival bietet vor allem Kurzfilmprogramme. Der thematische Fokus dieses Jahres liegt auf älteren Menschen im Generationenkonflikt, während der regionale Schwerpunkt diesmal Afrika heißt. Neben den Screenings finden bei den Sehsüchten zahlreiche Workshops für junge Filmemacher statt.

Das Internationale Frauenfilmfestival findet in Köln vom 23.-27.4. statt., Bei den in diesem Jahr gezeigten Spiel- und Dokumentarfilmen geht es vor allem um die Lebenssituationen chinesischer Frauen. Weitere Sektionen widmen sich speziell queeren Inhalten sowie Kindersoldatinnen aus aller Welt. Durch die Beschränkung auf Filme von weiblichen Regisseurinnen oder Produzentinnen soll gezielt die Stellung der Frau in der Filmwirtschaft gestärkt werden. Begleitet wird das Festival von zahlreichen Diskussionsrunden und Workshops.

Das European Media Art Festival Osnabrück (23.-27.4.) ist nicht nur eine Plattform für Filme, sondern für Kunstprojekte diverser neuer Medien sowie multimediale Ansätze. Neben Performances und Rauminstallationen werden auch Video-Arbeiten, Experimental-Filme und ein Handyfilmwettbewerb zu sehen sein. Bei der Kontaktbörse können erste Verbindungen zwischen Studenten, Künstlern und Wirtschaft entstehen oder Diskussionen zum diesjährigen Motto „Identity“ geführt werden.

Auf dem San Francisco International Film Festival (24.4.-8.5.) wird eine große Bandbreite filmischer Möglichkeiten präsentiert. Neben Galavorführungen großer Filme werden auch „Midnight Movies“, Debüt-Filme und experimentelle Werke geboten. Ein Highlight der diesjährigen Ausgabe des seit 1957 bestehenden Festivals dürfte die Live-Performance von Black Francis sein, bei welcher der Sänger und Gitarrist der legendären Punk-Band Pixies seinen neuen Sountrack zu Der Golem, wie er in die Welt kam (1920), einem der Klassiker des Deutschen Expressionismus, uraufführt. Eröffnet wird das Festival mit Catherine Breillats neuem Film The Last Mistress. Der britische Regisseur Mike Leigh (All or Nothing, 2002; Vera Drake, 2004) wird für sein Lebenswerk geehrt.

Auch abseits der großen Metropolen lässt sich gutes Kino finden. In Schwerin werden vom 29.4.-4.5. beim Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern vorwiegend deutschsprachige Filme gezeigt. Besondere Aufmerksamkeit erfährt dieses Jahr das österreichische Kino, das mit den kontroversen Werken Bennys Video (1992) von Michael Haneke und Hundstage (2001) von Ulrich Seidl nicht gerade leichte Kost bietet. Der Schauspieler Klaus Maria Brandauer erhält den Ehrenpreis des Festivals, ehe die Filme nach dem Ende der Schweriner Filmtage durch ganz Mecklenburg-Vorpommern touren.

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Fotos: © Verzaubert, Film Festival Istanbul, Britspotting, Filmfest Dresden, Achtung Berlin, European Media Art Festival Osnabrück

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