Moloch Manila – Pinoy Cinema (8)

Ein Sehnsuchtsort und die ernüchternde Realität. Immer wieder erzählen philippinische Melodramen vom Scheitern daran, in der großen Stadt Fuß zu fassen. Zwei der bekanntesten Regisseure des Landes haben der Hauptstadt sogar jeweils einen eigenen Film gewidmet.

Manila in the Claws of Light 01

Egal ob im Kino oder in der Wirklichkeit, für viele Filipinos ist Manila ein Sehnsuchtsort. Gerade für junge Menschen vom Land steht die Metropole für das Versprechen, sich von den Fesseln eines Lebens mit nur wenigen Entfaltungsmöglichkeiten zu lösen und das Glück in der großen Stadt zu finden. Zahlreiche philippinische Melodramen handeln davon, wie diese Suche an der ernüchternden Realität scheitert. Denn was die Stadt für jemanden mit wenig Geld zu bieten hat, ist vor allem Ausbeutung, Armut und Kriminalität. Manila wirkt in diesen Filmen wie ein Monster, dem in regelmäßigen Abständen Opfer gebracht werden müssen, damit die anderen Menschen unbeschadet weiterleben können. Die Blaupause für eine solche Abstiegsgeschichte hat Lino Brocka mit seinem wahrscheinlich bekanntesten Film Manila in the Claws of Light (Maynila: Sa mga kuko ng liwanag, 1975) geliefert, der von einem jungen Paar aus der Provinz erzählt, das in die Mühlen der Großstadt gerät. Seinen jungen, unschuldigen Protagonisten schickt Brocka auf einen grausamen Kreuzweg, der unter anderem an Billigarbeit und Prostitution vorbeiführt. Sein Film ist ein Monument für all jene, die ihr Glück gesucht, aber nie gefunden haben.

Neben Brocka hat auch Ishmael Bernal – der zweite große Autor des philippinischen Kinos der 1970er und 80er Jahre – einen nicht besonders schmeichelhaften Film über Manila gedreht. Der Erzählton ist hier aber deutlich humorvoller und die Aufmerksamkeit auf verschiedene Erzählstränge und auch über sie hinaus verteilt. Statt eines geradlinigen Melodrams hat Bernal einen Film voller Brüche inszeniert, die von überdrehten Slapstick-Nummern bis zu psychedelischen Drogenszenen reichen. Das junge Mädchen vom Land, das nach seiner Ankunft in Manila erst mal auf die Nase fällt, gibt es hier nur in einer kleinen Nebenrolle. Die anderen Figuren sind längst in der Stadt angekommen und haben sich an die schwierigen Lebensbedingungen mit charmanter street smartness angepasst. Bernal begegnet ihnen dabei mit viel Sympathie und ist stets darum bemüht, ihre illegalen oder zumindest gesellschaftlich geächteten Tätigkeiten nicht zu verurteilen.

Zu den Texten:

Manila in the Claws of Light

Manila by Night

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