Kinematografie heute: Philippinen

Vom 7. bis zum 25. August zeigt das Berliner Zeughauskino eine erlesene Auswahl neuer philippinischer Autorenfilme.

Engkwentro 01

Bei zeitgenössischem philippinischem Kino denkt man unweigerlich an eine wackelige Handkamera, die sich ihren Weg durch die Slums von Manila bahnt. Hierzulande, wo es kaum ein philippinischer Film regulär in die Kinos schafft, kennt man solche Momente vor allem aus Werken von Brillante Mendoza wie Kinatay (2009) oder Lola (2009). Mendoza steht für einen sanft verdichteten Sozialrealismus, der seine Zuschauer weniger mit einer herkömmlichen Handlung als mit spezifischen Lebensräumen konfrontiert. Dass man auch in anderen philippinischen Filmen dieselben Bilder sieht, hängt mehr damit zusammen, dass Slums eine soziale Realität sind, und weniger damit, dass wir es immer mit dem gleichen Stil zu tun haben. Wie unterschiedlich die künstlerischen Positionen im aktuellen philippinischen Autorenkino sind, zeigt vom 7. bis zum 25. August eine Filmreihe im Berliner Zeughauskino.

Maximo Oliveros

Nicht alles, was ähnlich aussieht, ist es auch tatsächlich. Pepe Dioknos dichter Clash (2009) etwa erzählt von Auftragskillern im Namen der Regierung und hetzt dabei fast ausschließlich durch die engen Gassen eines Armenviertels. Dabei können die dokumentarisch anmutenden Bilder nicht verbergen, dass die Geschichte um zwei Brüder stark dramatisiert ist. Auch der wunderbare The Blossoming of Maximo Oliveros (2005) ist in prekären Lebensverhältnissen angesiedelt und besticht mit seiner Mischung aus Melodram und Krimi vor allem durch seine Empathie mit der Hauptfigur, einem zwölfjährigen Jungen, der zwischen der Liebe zu einem Polizisten und den kriminellen Aktivitäten seiner Familie zerrissen ist.

Independencia

Auch wenn sich das philippinische Kino häufig damit beschäftigt, was falsch läuft in der Heimat, lässt es sich keineswegs auf seinen Realismus reduzieren. Einige der im Programm vertretenen Regisseure sind nicht nur gern gesehene Gäste auf internationalen Festivals, sondern stehen auch für experimentellere Erzählweisen: Khavn, Adolfo Alix Jr. und auch Raya Martin, dessen großartiger, mehrfach prämierter Stummfilm Independencia (2009) in Berlin gezeigt wird. In einem künstlichen Studiosetting begibt sich Martin dabei nicht nur inhaltlich, sondern auch ästhetisch in die Zeit der amerikanischen Besatzung. Der Stummfilm wird für ihn jedoch nie zum Objekt einer rein nostalgischen Verehrung, sondern bleibt das Rohmaterial für eine spannende Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit.

Century of Birthing 01

Die Retrospektive bietet außerdem die seltene Gelegenheit, zwei der epischen Filme von Lav Diaz zu sehen. Der Regisseur erfreut sich schon seit Längerem einer kleinen, eingeschworenen Fangemeinde, die sich von einer Laufzeit bis zu dreizehn Stunden nicht abschrecken lässt. Bei den vergleichsweise kurzen Arbeiten Century of Birthing (2011) und Florentina Hubaldo (2012) kann man sich davon überzeugen, dass Diaz’ Filme weitaus mehr zu bieten haben als ihre ausufernde Länge. Und auch Mendoza ist in der Reihe vertreten, mit einem frühen, wenig bekannten Film. Der mit Laien besetzte Manoro (2006) erzählt von einer jungen ambitionierten Lehrerin, die die Bewohner ihres Dorfes für eine anstehende Wahl begeistern will. Statt urbaner Verwahrlosung zeigt Mendoza hier eine Dorfgemeinschaft, die nicht nur geografisch, sondern auch politisch in völliger Isolation lebt.  

Das gesamte Programm gibt es hier

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