Jean-Paul Belmondo wird 75 – eine Hommage

Es gibt Geburtstage, da gebietet es sich, nicht zu gratulieren, sondern zu huldigen. Im Falle Jean-Paul Belmondos, der letzten noch lebenden europäischen Schauspiel-Legende, trifft genau dies zu.

Belmondo 75

Sein zitatenreicher, um äußerste Lässigkeit bemühter Kleinganove Michel, verlieh in Außer Atem (À bout de souffle, 1959) der Nouvelle Vague ein Gesicht. Schon hier musste Belmondo am Ende sein Leinwandleben lassen – ein Schicksal, das später fast zum Markenzeichen seiner ernsteren Filme wurde. Godard und Belmondo, das waren die ersten Stars der Nouvelle Vague und sollten bis heute auch ihre Ikonen bleiben. Doch während Godard immer ein Star der Kritik, der Intellektuellen, der Wissenschaft und Arthousekinos blieb, avancierte Belmondo zum Star der Massen. Obwohl ihn nicht nur die anderen beiden „Großen“ der Nouvelle Vague, Claude Chabrol und François Truffaut, sondern auch alle sonstigen Meister des französischen Kinos seiner Zeit, wie Alain Resnais, René Clement und Louis Malle, inszenierten, waren es zwei andere Regisseure, die sein Bild prägten.

Belmondo 75

Jean-Pierre Melville arbeitete drei Mal künstlerisch und kommerziell äußerst erfolgreich mit dem noch jungen Star zusammen, ein Produkt dieser Partnerschaft ist der Klassiker Der Teufel mit der weißen Weste (Le Doulos, 1962), in dem Belmondo mit Leichtigkeit und der ihm eigenen, unerreichten Leinwandpräsenz, seine genialen Kollegen Serge Reggiani, Jean Dessaily und Michel Piccoli an die Wand spielt. Während Melville Belmondos dramatisches und tragisches Potential nutzte, war es vor allem Philippe De Broca, der dessen Draufgängertum in Abenteuerfilmen wie Cartouche der Bandit (Cartouche, 1962), Abenteuer in Rio (L'Homme de Rio, 1964) und Die amourösen Abenteuer des Monsieur L. (Les Tribulations d’un chinois en Chine, 1965) nutzte.

Belmondo 75

Mit Belmondo als Aushängeschild und Alain Delon im Gefolge, gelang es den Franzosen bis in die achtziger Jahre hinein, ein Genrekino mit Massentauglichkeit zu produzieren. Gewissermaßen waren ihnen die Amerikaner da immer einen Schritt hinterher – als die im New Hollywood die Ideen der Nouvelle Vague variierten, hatte sich Belmondo von dieser schon längst losgesagt. Im Frankreich der siebziger Jahre beherrschte er den Markt und selbst als in den USA das Blockbuster System Einzug hielt, mussten sich die französischen Vorzeigeprodukte mit Belmondo einige Jahre lang nicht davor verstecken. Doch auch das kultivierte Land der Schöngeister wurde in den frühen achtziger Jahren vom Reagan-Kino, wie es Robin Wood einst nannte, infiltriert. Sowohl Belmondo als auch Delon drehten in dieser Phase einige reaktionäre Filme mit zum Teil deutlich rechten Tendenzen, wie Der Außenseiter (Le Marginal, 1983). Dabei war Belmondo ganz im Gegensatz zu Delon, der schon mal durch Kritik an der farbigen französischen Nationalmannschaft auffiel, im neutralsten Sinne des Wortes immer unpolitisch. Und in seiner Rollenwahl vielleicht auch etwas unbedarft. Direkt vor Der Außenseiter hatte er mit Das As der Asse (L’as des as) eine Klamotte vor dem Hintergrund der Olympiade von 1936 gedreht.

Belmondo 75

Gewissermaßen wurde Belmondo damit Teil einer Krise, für die er wenig konnte, hatten Regisseure wie Jacques Deray und Henri Verneuil, mit denen er nun zusammenarbeitete, in den vorangegangenen Jahrzehnten doch Klassiker des Genrekinos inszeniert. Wohl weniger aus Verärgerung über die Qualität seiner Filme, als aus der Einsicht heraus, mit 60 nicht mehr den Actionclown geben zu können, nahm Bebel, wie ihn seine Landsleute liebevoll nennen, eine Zäsur vor. In Claude Lelouchs Der Löwe (Itinéraire d’un enfant gâté, 1988) versuchte er den Schritt zurück ins anspruchsvolle Kunstkino, was ihm prompt einen César, den wichtigsten französischen Filmpreis, einbrachte. Tatsächlich waren jedoch sowohl Schauspieler als auch Regisseur weit von ihrer Bestform entfernt. Belmondo ging ans Theater zurück und reüssierte unter der Regie seines Kollegen und Gegenspielers aus Der Profi (Le Professionnel, 1981), Robert Hossein, als Cyrano. 2001 erlitt der Star einen Schlaganfall, zwei Jahre später wurde er zum vierten Mal Vater. Zur Zeit steht er das erste Mal seit acht Jahren vor der Kamera.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch zeigte die ARD dem Schauspieler zu Ehren um 0.35 Uhr Der Profi. Am heutigen Mittwochabend um 22.35 Uhr zeigt der RBB Vittorio de Sicas …und dennoch leben sie (La Ciociara, 1960), ein Kriegsdrama, in dem der junge Belmondo an der Seite Sophia Lorens eine grandiose Darstellung liefert. Zwei Stunden später zeigt die ARD dann den Klassiker Elf Uhr Nachts (Pierrot Le Fou, 1965) von Godard.

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