Im Schatten der Diktatur – Pinoy Cinema (6)

Wie kann das Kino von der Unterdrückung erzählen, wenn der Unterdrücker noch an der Macht ist? Mike De Leon und Lino Brocka beziehen Stellung zu Ferdinand Marcos und seinen Handlangern.

Pinoy Cinema 6 Teaser

Während die Philippinen unter Ferdinand Marcos wirtschaftlich und politisch vor die Hunde gingen, erlebte das Kino ironischerweise eine neue Blütezeit. Nicht, dass es zwischen den Jahren 1965 und 1986 keine Zensur gegeben hätte. Im Gegenteil. Doch einerseits gelang es den Regisseuren immer wieder, auf elegante Weise die aufgezwungenen Grenzen zu umschiffen, andererseits schien Marcos seine Forderungen nach regimetreuen Filmen auch nur halbherzig umzusetzen. Während sich das erotische Kino in dieser Zeit als Ablenkung für die Massen ungeahnter Freiheiten erfreute, erschienen auch immer wieder Werke, die das Image des Landes befleckten, obwohl sie eigentlich gar nicht gedreht werden sollten. Manchmal flackerte gar die hässliche Fratze der Marcos-Regierung über die heimischen Leinwände. Nicht direkt natürlich, aber als unmissverständliche Parabel, die sich gegen menschenfeindlichen Totalitarismus wendete.

In seinem sehr außergewöhnlichen Film Batch ’81 (1982) erzählt Mike De Leon etwa von einer Bruderschaft, die ihre Mitglieder durch einen sadistischen Initiationsritus treibt. Was sich da in abgedunkelten Studentenbuden abspielt, zeigt die Methoden der Regimes letztlich nur im Kleinen. Wobei De Leon selbst politische Bezüge nicht außen vor lässt: Während bei einer unfassbaren Travestienummer aus dem Musical Cabaret die Hakenkreuzflaggen auf der Bühne wehen, muss man sich als Zuschauer die Frage stellen, wie man sich gegen ein solch repressives politisches System positionieren kann.

Als 1986 das philippinische Volk gegen seinen Unterdrücker aufbegehrte, schien eine Demokratie plötzlich wieder möglich zu sein. Doch auch unter der Herrschaft der ersten Präsidentin Corazon Aquino gingen Marcos’ Todesschwadronen in der Provinz noch auf blutige Kommunistenjagd. Wer wirklich Kommunist war, interessierte dabei nicht. Vielmehr ging es darum, einen Vorwand zu finden, all jene, die sich gegen einen Haufen ungehobelter und bis auf die Zähne bewaffneter Proleten stellten, öffentlich hinzurichten. Lino Brocka lebte fast während seiner gesamten Regiekarriere in Opposition zur Marcos-Regierung. Wenn er nicht gerade mit Filmen für Unruhe sorgte, dann mit entschiedenem Aktivismus, der ihn zeitweise auch ins Gefängnis brachte. Fight For Us (Orapronobis, 1989) über das Ende der Marcos-Ära und ihr mörderisches Nachspiel ist sein letzter revolutionärer Akt mit den Mitteln des Kinos und vielleicht sein erschütterndster Film.

Zu den Texten:

Batch ’81

Fight For Us (den Film kann man sich hier ansehen)

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