Highway: Nepalesisches Kino auf der Berlinale

Highway

Nepal im Berlinale-Panorama. Das klingt auf dem Papier wie ein Hingucker. Und gerade für die Erforschung weithin unbekannter Kinematografien eignet sich ein so breit gefächertes Festival wie die Berlinale ganz besonders. Früher gab es dafür im Forum Länderschwerpunkte, die den Bemühungen eines fokussierteren Programms unter Christoph Terhechte zum Opfer fielen. Dennoch ist dieser Ansatz der vorbehaltlosen Neugierde auch 2012 präsent – etwa in der Vorstellung eines verschollenen Kinos: des kambodschanischen aus der Zeit vor der Zerstörung durch die Roten Khmer. Die Erwartungen an Filmfestivals sind widersprüchlich, auch die ein und derselben Person. Selbstverständlich freue auch ich mich auf die Möglichkeit, einen nepalesischen Film zu sehen.

Müsste dann in der Logik einer Bestandsaufnahme, einer Informationsschau, wie die Berlinale-Sektion Panorama früher hieß, nicht eigentlich egal sein, wie er ausfällt? Nun, da schlagen zwei Herzen in der Brust des Kritikers. Highway ist nämlich ein Kino der Imitation, das sich den vielfältigen Gelegenheiten entzieht, das eigene Land, die eigene Kultur oder auch nur seine Landschaft zu reflektieren. Stattdessen nutzt der Film den starken Plot einer Straßenbarrikade, die die Protagonisten vom Erreichen ihres Ziels abhält, nur für ein Reigen an stereotypen Konflikten in Soap-Manier. Dass die Dialoge hölzern improvisiert wurden, fällt bei Untertiteln etwas weniger ins Gewicht, doch dass die Storyline, die an jeder Ecke das Potenzial für ein Gesellschaftsporträt böte, daraus nur Wendungen zieht, die rein funktional wirken, ist dann doch enttäuschend. Zu interpretieren, welche Bedeutung bei alldem der US-Koproduktionspartner hatte oder was es bedeutet, dass Danny Glover in den Stabangaben auftaucht (nicht als Schauspieler), wäre allerdings reine Spekulation.

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