Hardline

Kino extrem in Regensburg: Hier wehren sich fachkundige Fans gegen eine gewisse Diskriminierung ihres Lieblingsgenres. 

Hardline

Was sind eigentlich „harte“ Filme?

Meine ersten harten Filmerfahrungen waren Disney geschuldet – Cap und Capper (The Fox and the Hound, 1981), Dumbo, der fliegende Elefant (1940). Wenn ich an harte Filme der vergangenen Jahre denke, fällt mir zunächst Steve McQueens Hunger (2008) ein. Der hat nicht nur mir zugesetzt, sondern der Hauptdarsteller auch sich selbst.

Wenn Florian Scheuerer von harten Filmen spricht, dann bezieht er sich zunächst einmal auf das weitläufige Genre des Horrorfilms und seine angrenzenden Nachbarn. Häufig meint „hart“ hier die explizite Darstellung von Gewalt, welche nicht immer im Zentrum der Filme steht, doch aber deren Ruf begründet. Hieran scheiden sich die Geister: Sind nicht zu viele dieser „harten Filme“ nur auf den einen oder eben auch anderen Moment hin konzipiert, wo das Schrecken grafisch wird? Darüber kann man sich streiten mit Florian Scheuerer, denn hierfür hat er ein eigenes Forum geschaffen: Hardline.

Schon bald im dritten Jahr präsentiert Scheuerer eine subjektive Auswahl an harten Filmen, die nicht nur von Kennerschaft und Engagement zeugt, sondern die auch verdeutlicht, warum es solcher Reihen bedarf: Aufgrund ihrer „Härte“ haben die Filme Probleme an allen Fronten: Verleih, Vertrieb, Zensur. Wer außerhalb der Multiplexe spielt überhaupt noch harte Genrekost? Und welche Auswahl wird dort getroffen? Vom paranormalen HD-Schlafzimmergrusel über Michael-Bay-Remakes bis hin zu endlosen Torture-Sequels.

Da sieht das Hardline-Programm ganz anders aus: Hier werden Klassiker von Romero über Jackson bis Cronenberg und Fulci wiederaufgeführt, echte Premieren organisiert, unterschiedlichste Kontinente bereist. Die ganz großen Highlights, wen wundert’s, kommen häufig aus Asien: The Chaser (Chugyeogja, 2008) und Audition (Odishon, 1999) sind zwei Beispiele.

Beeindruckend ist neben dem Findungsreichtum und der Organisation jedenfalls die Bandbreite. Wer es lustiger mag, kann Tucker & Dale vs Evil (2010) sehen, wer sich noch nicht über Martyrs (2008) geärgert hat, kann das nachholen. Genre-Mainstream wie The Collector (2009) schafft es ebenso ins Programm wie Shane Meadows’ eigenwilliges Vigilante-Meisterwerk Dead Man’s Shoes (2004) und Géla Babluanis eindringlicher 13 Tzameti (2005).

Am 3.12. läuft mit The Wicker Man (1973) – das Original im Original – ein extravagantes Weihnachts-Special, ehe Meatgrinder (2009) am 28.1. die neue Saison eröffnet. Bei Walhalla-Rising (2009) am 25.2. kann man sich dann den Berlinale-Blues aus den Ärmeln schütteln. Die Auswahl der neuen Reihe zeigt einmal mehr: Hier gibt es keine Grenzen und Festlegungen. Nur eines ist gewiss: Es darf diskutiert werden.

In Regensburg ist Hardline nicht weniger als eine Institution, und wie zu vernehmen ist, könnte die Reihe bald expandieren. Zu wünschen wäre es.

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