Gegenbewegungen – Pinoy Cinema (5)

An den Rändern der philippinischen Filmindustrie finden sich mit Nick Deocampo und Kidlat Tahimik zwei Regisseure, die Mut zum Experiment beweisen.

Oliver Teaser

Mit dem philippinischen Kino der 1970er und 80er Jahre verhält es sich ein bisschen wie mit dem Hollywoodkino: Subversionen werden meist ansprechend verpackt. Das Grenzüberschreitende besteht eher darin, Tabus zu thematisieren oder mitunter auch darin, formal neue Wege zu begehen, selten nur wird aber das populäre Erzählformat gesprengt. Doch obwohl es auf den Philippinen – anders als in vielen westlichen Ländern – zu dieser Zeit kein ausgeprägtes Kunstkino gab, verwirklichten einige Regisseure an den Rändern der Filmindustrie ihre ambitionierteren Projekte. Einer von ihnen war Nick Deocampo, der mit Filmen wie Oliver (1983) und Revolutions Happen Like Refrains in a Song (1987) im Bereich des Dokumentar- und Essay-Films gearbeitet hat. Das Einnehmende an seinen Regiearbeiten ist ihr persönlicher Zugang, mit dem er sich etwa dem Alltag eines Drag-Performers näherte oder dem Aufbegehren eines ganzen Volkes gegen seinen Diktator. So narzisstisch Deocampos Filme mitunter wirken, der Regisseur versetzt sich dabei immer in einen größeren Kontext – ob er sich nun als kleines Rädchen im Getriebe einer friedlichen Revolution sieht oder, wie in den letzten Jahren, mit einer Reihe von Dokumentationen die überwiegend verloren gegangene Filmgeschichte seiner Heimat erzählt.

Während sich Deocampo heute der Vergangenheit widmet, ist Kidlat Tahimik die Vaterfigur für eine neue Generation von Regisseuren, die mit ihren unabhängigen und experimentellen Filmen seit einiger Zeit auf internationalen Festivals für Furore sorgt. Auch Tahimiks eigene Filme sind durch und durch politisch, wenn auch auf eine derart fantasievolle und verspielte Art, dass sie dabei nie dogmatisch wirken. Turumba (1981) erzählt etwa von einem Pilgerort im philippinischen Dschungel, der von der Globalisierung erfasst wird. Im Vergleich zu Tahimiks Debütfilm Perfumed Nightmare (Mababangong bangungot, 1977) ist er zwar deutlich geradliniger und konzentrierter geraten, die Freiheiten, die sich der Regisseur hier aber immer wieder nimmt, lassen Turumba trotzdem noch weit aus dem durchprofessionalisierten Kino der damaligen Zeit hervorragen.

Zu den Texten:

Revolutions Happen Like Refrains in a Song

Turumba

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