Filmen heißt Handeln

Mit Filmen, Diskussionen und Vorträgen widmet sich die Berliner Veranstaltung Ohne Genehmigung vom 5. bis zum 10. Dezember dem französischen Filmaktivisten René Vautier.

Vautier

Gérard Courant porträtierte im Rahmen seines Cinématon-Projekts eine Vielzahl bekannter Filmemacher und Schauspieler nach einem einfachen Prinzip: Vier stumme Minuten bleiben den Gefilmten, um in einer statischen Großaufnahme nach Belieben die Zeit zu füllen. Der Regisseur René Vautier fasst während dieser Dauer pointiert sein filmisches Schaffen zusammen. Pantomimisch stellt er das Opfer einer Folterung dar, das beharrlich bestreitet und doch immer wieder aufs Neue malträtiert wird. Als die Zeit fast um ist, wendet sich plötzlich das Blatt. Vautier scheint außerhalb des Bildes eine Waffe gegen seinen Peiniger gefunden zu haben. Doch was er zum Vorschein holt, ist weder ein Messer noch eine Pistole, sondern eine Kamera.

Filmemachen ist für Vautier von politischem Aktivismus nicht zu trennen. Der Übergang vom Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg zum Studenten einer Filmhochschule war fließend. In der Folge nahm Vautier vor allem Dokumentarfilme als Möglichkeit wahr, Unrecht sichtbar zu machen und den Zuschauer zu empören. Ohne formale Spielereien oder gedankliche Umwege tragen Vautiers Film ihre Botschaft deutlich nach außen. Egal ob es sich dabei um wütende Anklagen gegen die französische Kolonialisierung Algeriens, die Umweltverschmutzung an der bretonischen Küste oder den alltägliche Rassismus handelte, nicht selten wurden die Filme Vautiers von den Herrschenden als Bedrohung gesehen und verboten, der Regisseur mitunter sogar ins Gefängnis gesteckt.

Vom 5. bis zum 10. Dezember gewährt die Veranstaltung Ohne Genehmigung im Berliner Zeughauskino Einblick in das filmische Schaffen Vautiers, wobei es den Veranstaltern ähnlich wie bei der kürzlich zu Ende gegangenen Hands of Fassbinder-Reihe nicht um eine reine Werkschau geht. Vielmehr werden ausgewählte Arbeiten Vautiers durch Filme von Weggefährten sowie Diskusssionen und Vorträge ergänzt. Unter anderem ist auch der mit dokumentarischen Methoden gedrehte Spielfilm Mit 20 Jahren in den Aurès zu sehen, dessen neu restaurierte Fassung erst kürzlich bei den Filmfestspielen von Venedig von uns besprochen wurde.

Das gesamte Programm findet sich hier

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