Festivalüberblick Mai: Im Schatten von Cannes

Im Mai legt sich der Wahnsinn des mit Festivals dicht gepflasterten Monats April ein wenig. Ganz allein gehört die Bühne Cannes aber nicht, neben einigen bereits im April gestarteten Festivals, wie dem Tribeca Film Festival in New York oder dem Filmkunstfest Mecklenburg Vorpommern, bieten auch Oberhausen und München ein reichhaltiges Filmprogramm. Ein Überblick.

Tribeca Poster

Das bereits im April gestartete Tribeca Film Festival (23.4.-4.5.) in New York ist mit seinen 400.000 Besuchern fast so populär wie die Berlinale. Seit 2002, als das Festival von Jane Rosenthal and Robert De Niro zur Wiederbelebung des vom 11. September schwer getroffenen Stadtviertels TriBeCa (Triangle Below Canal Street) ins Leben gerufen wurde, werden hierbei jährlich über 250 Filme gezeigt. Neben Hollywoodstreifen finden auch Kunst- und Autorenfilme sowie lokale Independent-Produktionen ihren Weg nach Tribeca.

Auf dem San Francisco International Film Festival (vom 24. April-8. Mai), wird eine große Bandbreite filmischer Möglichkeiten präsentiert. Neben Galavorführungen großer Filme werden auch „Midnight Movies“, Debüt-Filme und experimentelle Werke geboten. Ein Highlight der diesjährigen Ausgabe des seit 1957 bestehenden Festivals dürfte die Live-Performance von Black Francis sein, bei welcher der Sänger und Gitarrist der legendären Punk-Band Pixies seinen neuen Sountrack zu Der Golem, wie er in die Welt kam (1920), einem der Klassiker des Deutschen Expressionismus, uraufführt. Eröffnet wird das Festival mit Catherine Breillats neuem Film The Last Mistress. Der britische Regisseur Mike Leigh (All or Nothing, 2002; Vera Drake, 2004) wird für sein Lebenswerk geehrt.

Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern

Auch abseits der großen Metropolen lässt sich gutes Kino finden. In Schwerin werden beim Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern (29.4.-4.5.) vorwiegend deutschsprachige Filme gezeigt. Besondere Aufmerksamkeit erfährt dieses Jahr das österreichische Kino, das unter anderem mit den kontroversen Werken Bennys Video (1992) von Michael Haneke und Hundstage (2001) von Ulrich Seidl aufwartet. Der Schauspieler Klaus Maria Brandauer erhält den Ehrenpreis des Festivals, ehe die Filme nach dem Ende der Schweriner Filmtage durch ganz Mecklenburg-Vorpommern touren.

Das Internationale Trickfilm Festival Stuttgart (1. - 6.5.) ist eines der großen Ereignisse für die internationale Animationsbranche. Halbjährlich werden hier etwa 500 Trickfilme aus in der Regel über 40 Ländern vorgestellt. In seiner 15. Ausgabe werden nun erstmals jeweils ein Preis für die beste Musik in einem Trickfilm sowie für die beste Auftragsarbeit verliehen. Der Gewinner des sich insbesondere auch an ein junges Publikum wendenden Festivals kann sich über 15.000 Euro freuen.

Kurzfilmtage Oberhausen

Ebenfalls vom 1. bis zum 6. Mai finden die 54. Internationalen Kurzfilmtage in Oberhausen statt. Das älteste Kurzfilmfestival der Welt wartet in diesem Jahr mit über 430 Produktionen aus 80 Ländern auf.
Mit dem Schwerpunkt „Wessen Geschichte?“ forscht das Festival nach Konstruktion und Bestimmung von Historizität und widmet sich den Beziehungen zwischen Film und Geschichte. Besondere Aufmerksamkeit wird dem politischen Kurzfilm im zweiten Themenschwerpunkt Grenzgänger und Unruhestifter zuteil.
Der Gewinnerbeitrag des Festivals qualifiziert sich automatisch für den Oscar.

Für eine Woche steht München mit seinem Internationalen Dokumentarfilmfestival (1.-7.5.) im Zeichen des langen künstlerischen Dokumentarfilms. Die Zuschauer können sich internationale Highlights des Jahres, Erstaufführungen und Nachwuchsfilme anschauen. Das Festival gliedert sich dabei in drei Bereiche: Der „Internationale Wettbewerb“ umfasst vor allem Filme, die bereits im letzten Jahr weltweit erfolgreich waren. Im „Internationalen Programm“ wird ein breites Spektrum aktueller Dokumentarfilme gezeigt und in der Sparte „Horizonte“ laufen insbesondere Filme, die unter schwierigen politischen oder finanziellen Bedingungen entstanden sind und die sich für die Menschenrechte, für soziale Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung engagieren. Ein inhaltlicher Schwerpunkt dieses Jahres wird auf das Leben in Nahost und der arabischsprachigen Welt gelegt.

Festival de Cannes

Vom 14. bis 25. Mai ist das südfranzösische Cannes Zentrum des Filmgeschehens. Von Blockbustern aus den USA bis zu experimentellen Produktionen aus entlegenen Regionen können auf dem renommiertesten Filmfestival der Welt die unterschiedlichsten Filmkarrieren ihren Ausgang nehmen. Lesen Sie hierzu unsere Meldungen zum Programm den einzelnen Sektionen:
Der Wettbewerb
Un Certain Regard
Quinzaine des Réalisateurs
Semaine Internationale de la Critique

Vom 30. Mai bis zum 8. Juni finden mit dem Transilvania International Film Festival die wichtigsten Filmfestspiele Rumäniens statt. Im Fokus stehen in diesem Jahr aktuelle russische Filme, wie The Russian Triangle, einem Thriller von Aleko Tsabadze, oder dem Entführungsdrama Gruz 200 von Aleksei Balabanov, die bereits auf diversen Festivals wie in Cottbus oder Rotterdam Erfolge für sich verbuchen konnten.
Besondere Aufmerksamkeit gebührt zwei speziellen Programmpunkten: Remade in Bollywood zeigt indische Remakes erfolgreicher Produktionen aus dem Westen. In der Reihe Real Times laufen Filme, die in nur einem Take entstanden sind und deren Handlung sich in Echtzeit abspielt.
Das in diesem Jahr zum siebten Mal in Cluj-Napoca (dt. Klausenburg), einer Großstadt in Siebenbürgen, stattfindende Festival wird von Michael Hanekes Funny Games US eröffnet.
Eine Auswahl des Programms wird im Juni in Sibiu (dt. Hermannstadt) wiederholt.

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