Festivalüberblick Juni

Nach Cannes ist vor Cannes. Bevor sich jedoch neue Filme für die nächste Ausgabe der Filmfestspiele in Südfrankreich aufsparen, kommen die Weltpremieren von gestern in die restliche Welt und stellen sich anderen Jurys. Die Filmfestivals im Juni, vom kleinen alternativen Festroia in Portugal bis hin zur 26. Edition des Münchner Filmfests, haben aber auch sonst einiges zu bieten. Ein Überblick.

Vom 30. Mai bis zum 8. Juni finden mit dem Transilvania International Film Festival die wichtigsten Filmfestspiele Rumäniens statt. Im Fokus stehen in diesem Jahr aktuelle russische Filme, wie The Russian Triangle, einem Thriller von Aleko Tsabadze, oder dem Entführungsdrama Gruz 200 von Aleksei Balabanov, die bereits auf diversen Festivals wie in Cottbus oder Rotterdam Erfolge für sich verbuchen konnten.
Besondere Aufmerksamkeit gebührt zwei speziellen Programmpunkten: Remade in Bollywood zeigt indische Remakes erfolgreicher Produktionen aus dem Westen. In der Reihe Real Times laufen Filme, die in nur einem Take entstanden sind und deren Handlung sich in Echtzeit abspielt.
Das in diesem Jahr zum siebten Mal in Cluj-Napoca (dt. Klausenburg), einer Großstadt in Siebenbürgen, stattfindende Festival wird von Michael Hanekes Funny Games US eröffnet.
Eine Auswahl des Programms wird im Juni in Sibiu (dt. Hermannstadt) wiederholt.

Sydney Film Festival 08

Am Anfang des Monats startet das größte Filmfestival Australiens: In seiner 55. Auflage findet das Sydney International Film Festival vom 4. bis zum 22. Juni statt. Im offiziellen Wettbewerb werden 12 internationale Produktionen konkurrieren, wie der kürzlich in Cannes ausgezeichnete Debüt-Film Hunger von Steve McQueen oder der bereits in deutschen Kinos gestartete Brügge sehen... und sterben?. Daneben gibt es zahlreiche andere Sektionen, wie die des Kinder- oder Musikfilms, aber natürlich auch des australischen Films.
Ein besonderer Schwerpunkt wird in diesem Jahr auf  Filmen aus China und Mexiko liegen – beiden Ländern widmet sich eine eigene Reihe.

Ab dem 4. Juni werden auf dem internationalen Hamburger Kurzfilm-Festival über 300 Kurzfilme aus 40 Ländern zu sehen sein. Neben dem internationalen gibt es im Rahmen des Festivals vier weitere Wettbewerbe: den nicht nur low, sondern „NoBudget“ Wettbewerb, den „Flotten Dreier“, der sich mit Zigaretten und blauem Dunst beschäftigt, das „Mo & Friese KinderKurzFilmFestival“, sowie einen Wettstreit ausschließlich für deutsche Regisseure.
Nachdem im letzten Jahr der Iran und Libanon im Fokus standen, wird dieser passend zum 60. Jahrestag der Staatsgründung auf Israel gerichtet.

Das kleine aber stetig wachsende Festival des Deutschen Films in Ludwigshafen findet vom 5. bis zum 15. Juni statt. Gezeigt werden überwiegend Produktionen, die bereits auf anderen Festivals oder in Einzelfällen schon regulär im Kino zu sehen waren. Neben den zehn Filmen im Wettbewerb, unter anderem Mondkalb von Sylke Enders oder Schlöndorffs Ulzhan – Das vergessene Licht, laufen viele weitere in den Sektionen „Kinderfilme“ und „Lichtblicke“. Neben dem mit 50.000 Euro dotierten „Filmkunstpreis“ werden außerdem ein Publikumspreis und der „Preis für Schauspielkunst“ verliehen. Letzterer geht in diesem Jahr an Devid Striesow und Nina Hoss, die beide kürzlich in Yella schauspielerisch brillierten.

Shanghai International Film Festival 08

Das Festroia Festival ist ein kleines, alternatives Filmfestspiel in Portugal, das in diesem Jahr vom 6. bis 15. Juni zum 24. Mal stattfindet. Im Wettbewerb der „Official Section“ laufen ausschließlich Filme aus Ländern, die maximal 25  Produktionen im Jahr hervorbringen. Weitere Sektionen umfassen „First Works“ mit Debütfilmen von jungen Regisseuren, „American Independents“ und „Man and His Environment“. Außer Konkurrenz stehen in diesem Jahr Filme aus Polen im Mittelpunkt. Daneben sind zahlreiche Produktionen für Jugendliche, Kurzfilme und portugiesische Filme zu sehen.
Das Festival zeichnet sich vor allem seit Jahren durch sein soziales Engagement aus: In diesem Jahr wird mit vielen Schulen der Region zusammengearbeitet und etliche Vorstellungen für Eltern und ihre Kinder kosten keinen Eintritt.

Edinburgh International Film Festival

Das Annecy International Animation Film Festival (9. bis 14. Juni) ist laut des „Animation World Magazines“ weltweit eines der größten und einflussreichsten seiner Art. Der Wettbewerb umfasst animierte Lang- und Kurzspielfilme, sowie Auftrags-, TV- und Abschlussarbeiten. In der Jury des „Feature-film“-Wettbewerbs sitzt in diesem Jahr ein prominentes Mitglied: Simpsons-Erfinder Matt Groening wird mitentscheiden, welcher der neun Beiträge die Kristall-Trophäe am Schluss mit nach Hause nehmen kann.
Tribut zollen die Festspiele in der neuesten Ausgabe insbesondere den Animationsfilmproduktionen Indiens, die in den letzten Jahren einen starken Aufschwung durchlaufen haben.

Vom 14. bis zum 22. Juni findet das junge Shanghai International Filmfestival zum 11. Mal statt. Die einzigen beim Filmproduzentenverband FIAPF akkreditierten Filmfestspiele Chinas bieten den Zuschauern Produktionen der westlichen Hemisphäre, die normalerweise in China nicht zu sehen wären.
In diesem Jahr wird dem kürzlich verstorbenen Regisseur Anthony Minghella (Der englische Patient, 1996; Breaking and Entering, 2006) eine Retrospektive gewidmet. Ursprünglich sollte der britische Regisseur Jurypräsident sein, nach seinem überraschenden Tod im März wurde nun an seiner Stelle Wong Kar-wai verplichtet. Am Ende des Festivals werden der „Jin Jue“ und der „Asien New Talent Award“ verliehen.

Filmfest München 08

Das zweitwichtigste Filmfestival Großbritanniens, das Edinburgh International Film Festival (18. bis 29. Juni), wartet in seiner 62. Auflage mit 142 Filmen aus 29 Ländern auf. Darunter befinden sich 15 Weltpremieren, wie das Biopic The Edge of Love des britischen Regisseurs John Maybury über den walisischen Dichter Dylan Thomas. Zur Premiere des Films werden die beiden Hauptdarstellerinnen Keira Knightley und Sienna Miller erwartet.
Der Besucher in Festivallaune kann daneben das parallel stattfindende „Old Town Festival“ aufsuchen, bei dem die mittelalterliche Altstadt Edinburghs mit verschiedenen kulturellen Veranstaltungen gefeiert wird.

Französische Filmwoche, Berlin 08

Vom 19. bis zum 28. Juni findet in Moskau zum 30. Mal das internationale Filmfestival statt. Der runde Geburtstag wird mit einer Retrospektive des Werks von John Cassavetes und einer Rückschau auf den sozialistischen Avantgardefilm gefeiert. Der Jury wird in diesem Jahr die Bergman-Muse Liv Ullman beiwohnen. Das Festival versteht sich als Treffpunkt der westlichen und östlichen Filmkultur und bietet über 600 Filme aus 60 Nationen.

Eines der großen Festivals Deutschlands nach der Berlinale, das Filmfest in München (vom 20. bis zum 28. Juni) zeigt unter anderem Reihen deutscher und französischer Spielfilme, sowie amerikanischer Independent-Produktionen und ein breites internationales Programm. In diesem Rahmen werden neue Filme von Francis Ford Coppola, Brian De Palma, Jonathan Demme, Andreas Dresen und Eric Rohmer gezeigt. Neben einem besonderen Schwerpunkt auf Kinoproduktionen aus Mexiko und China gibt es auch Sektionen für Kinderfilme, Stummfilme und Retrospektiven. In letzterer werden in diesem Jahr 28 Filme des Münchner Schriftstellers, Filmemachers und bildenden Künstlers Herbert Achternbusch auf der großen Leinwand laufen.
Als Eröffnungsfilm läuft der dieses Jahr in Cannes mit der Goldenen Palme prämierte Die Klasse (Entre les murs) von Laurent Cantet. Und nicht nur ausgezeichnete Filme werden erwartet: Als Gast der diesjährigen Festspiele wird Oscar-Preisträgerin Julie Christie mit dem CineMerit Award für ihr Lebenswerk geehrt.

Im Cinéma Paris und Filmtheater am Friedrichshain werden in der Woche vom 27. Juni bis zum 3. Juli aktuelle französische Filmproduktionen im Rahmen der Französischen Filmwoche dem Berliner Publikum vorgestellt. Eines der Highlights der Filmwochen stellt in diesem Jahr Abdellatif Kechiches neuer Film (nach L'esquive, 2003) La graine et le mulet – Couscous mit Fisch dar, der im vergangenen Jahr vier Césars gewann, unter anderem für den besten Film und die beste Regie, sowie mit verschiedenen Preisen bei den Filmfestspielen in Venedig bedacht wurde. Neben Vorpremieren, wie der von Cédric Klapischs Tragikomödie So ist Paris (Paris), Céline Sciammas Regiedebüt Water Lilies (La naissance des pieuvres) oder Chanson der Liebe (Les chansons d’amour) mit Louis Garrel, umfasst das Festival mit der romantischen Komödie Didine und Jacques Doillons Le premier venu auch einige Filme, deren deutscher Kinostart noch ungewiss ist.

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