Ein Film ohne Thema von John Cage

One11 and 103

John Cage zählt zweifellos zu den wichtigsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Die Erhebung von Geräuschen zu Musik und die Autonomie einzelner musikalischer Elemente sind nur einige seiner Errungenschaften. Dabei sprengte der amerikanische Komponist nicht nur die Grenzen eines klassischen Musikbegriffs. Auch der Tanz, das Theater und die bildende Kunst blieben von seinen revolutionären Überlegungen nicht unberührt. Kurz vor seinem Tod drehte Cage mit dem deutschen Regisseur Henning Lohner dann auch noch einen experimentellen Langfilm mit dem Namen One11 and 103.

One11 and 103 2

Das Konzept des Films ist denkbar einfach: Die Kamera filmt eine Leinwand, auf die Schweinwerfer gerichtet sind, die sich nach dem Zufallsprinzip bewegen. Statt erkennbaren Motiven oder einem gezielten dramaturgischen Aufbau, präsentiert One11 and 103 ein undurchschaubar systematisiertes Spiel aus Licht und Schatten. Damit hat Cage ein visuelles Gegenstück zu seinen musikalischen Überlegungen geschaffen. Erst wenn sich die Kunst von emotionalen Faktoren gelöst hat, können neue Strukturen entstehen.

Im Rahmen des Berliner Festivals MaerzMusik gibt es am Sonntag, den 18.3.2012 um 19:00 Uhr im Konzerthaus die Möglichkeit, den nur selten gezeigten Film zu sehen. Zur musikalischen Begleitung spielt das Konzerthausorchester unter der Leitung von Ilan Volkov Cages Komposition 103, die für den Film entstanden ist, ohne direkt auf ihn Bezug zu nehmen. Für alle, die es nicht ins Konzerthaus schaffen, ist One11 and 103 auch auf DVD erhältlich.

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