Drei sind einer zu viel – Pinoy Cinema (3)

Die ohnehin schon exzessiven Liebesdramen des philippinischen Kinos werden durch eine Dreiecksbeziehung noch potenziert. Zwei Möglichkeiten, so einen Konflikt auszutragen – im Privaten und im Politischen. 

Insiang

In den letzten Jahren haben sich vor allem junge philippinische Regisseure immer wieder darüber beschwert, dass nur jene Filme auf europäischen Festivals zu sehen sind, die in Slums spielen. Wobei es ihnen sicher nicht darum ging, dieser Strömung ihre Existenzberechtigung abzusprechen, sondern eher darum, der Einseitigkeit die Vielfalt vorzuziehen. Lino Brocka ist einer der großen Väter dieses Kinos. Nicht selten erzählen seine sozialkritischen Melodramen von Menschen, die sich selbst erniedrigen müssen, um überleben zu können. In Insiang (1976) dem ersten philippinischen Film, der in Cannes zu sehen war – treten die Geldsorgen jedoch in den Hintergrund. Der klaustrophobische Wohnraum dient hier vielmehr als Schauplatz für ein zerstörerisches Liebesdreieck zwischen einer Mutter, ihrem Liebhaber und ihrer Tochter. In vielen Filmen Brockas – etwa auch in Stardoom (1971), Mother, Sister, Daughter (Ina, kapatid, anak, 1979) oder Cain and Abel (Cain at Abel, 1982) bietet die Familie keine Geborgenheit mehr, sondern ist zum Kampfplatz geworden, an dem das eigene Glück mit allen Mitteln verteidigt wird.

Mario O’Hara begann seine Karriere als Schauspieler und Drehbuchautor für Lino Brocka – unter anderem auch für Insiang. Später drehte er mit Filmen wie Demons (Pangarap ng puso, 2000) und Woman of Breakwater (Babae sa Breakwater, 2003) selbst einige unvergessliche Werke des philippinischen Kinos. Seine Regiearbeit Three Godless Years (Tatlong taong walang Diyos, 1976) geht zurück in die japanische Besatzungszeit, wo eine junge Frau hin- und hergerissen ist zwischen einem philippinischen Guerillakämpfer und einem japanischen Offizier. Dabei muss sie die schmerzhafte Erfahrung machen, dass sich die Liebe in den Zeiten des Krieges nicht so leicht von der Politik trennen lässt. Besonders bemerkenswert an diesem ohnehin sehr bemerkenswerten Film ist, wie schonungslos O’Hara mit dem eigenen Volk ins Gericht geht. Statt die Filipinos zu Opfern zu stilisieren, zeigt er einen missgünstigen und hasserfüllten Lynchmob, der sich auf die verängstigte Nora Aunor stürzt. Ihre weit aufgerissenen Augen verfolgen einen noch lange über den Film hinaus.

Zu den Texten:

Insiang

Three Godless Years

Kommentare zu „Drei sind einer zu viel – Pinoy Cinema (3)“

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.