Down Under Berlin 2014

Vom 11. bis zum 14.9. widmet sich ein intimes Festival im Berliner Kino Moviemento der Vergangenheit und Gegenwart des australischen Kinos.

Jedda 2

Jedda (1955) markiert einen Einschnitt in der australischen Filmgeschichte. Die letzte Regiearbeit von Charles Chauvel ist nicht nur der erste Farbfilm, der auf dem fünften Kontinent entstanden ist, sondern auch der erste Film, der sich mit teils dokumentarischen Mitteln dem Leben der Aborigines widmet. Dabei erscheint Jedda wie eine Mischung aus einem Kulturfilm, einem Western und einem Melodram über die junge Titelheldin, die zerrissen ist zwischen ihrer indigenen Herkunft und der weißen Familie, bei der sie aufgewachsen ist. Chauvel, der zu den zentralen Figuren des australischen Kinos zählt, hat einen Film gedreht, der es gut meint mit den Unterdrückten, dabei aber nie den Blick des Kolonialherrn ablegt. Deutlich zeichnet sich das etwa an den beiden Aborigine-Männern ab, zwischen denen Jedda sich entscheiden muss. Joe, der Assistent ihres Ziehvaters, steht als Mischling ebenso wie sie zwischen Besatzern und Besetzten. Er spricht und kleidet sich nicht nur wie ein Weißer, er wird auch von einem Weißen mit schwarzer Schminke gespielt. Marbuck dagegen ist ein Rebell, der im Lendenschurz herumläuft, so wie es für ihn Brauch ist, und sich weigert, sich den Gepflogenheiten der Kolonialherrn anzupassen. Dass Marbuck nicht nur wenig schmeichelhaft gezeichnet ist, sondern sich auch als kaltblütiger Mörder entpuppt, darf als deutliches Statement verstanden werden, wie man sich zur Kultur der Besatzer zu verhalten hat.

Bunny

Jedda ist ein ideologisch problematischer Film, der aber nicht nur historisch interessant ist, sondern auch als dicht inszenierter Abenteuerfilm, mit einer überwältigenden Landschaft, die in den kräftigen Farben von Gevacolor unwirklich schillert. Sehen kann man Jedda auf dem australischen Filmfestival Down Under Berlin, mit dem critic.de seit mehreren Jahren eine Medienpartnerschaft verbindet. Neben diesem Blick in die Vergangenheit kann man sich vom 11. bis zum 14. September auch wieder davon überzeugen, was das Filmland Australien aktuell zu bieten hat – in Kurzfilmprogrammen wie in ausgewählten Langfilmen. Anlässlich von Down Under Berlin hat unsere Autorin Birte Lüdeking den Film Bunny besprochen, der ebenso wie Samson & Delilah und die Horrorkomödie Black Sheep auf dem diesjährigen Programm steht.

Das gesamte Programm gibt es hier

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