Die zweite amerikanische Invasion – Pinoy Cinema (1)

Was macht Pam Grier im philippinischen Dschungel? In den 1970er Jahren spezialisierte sich die Filmindustrie des Inselstaats unter anderem auf Koproduktionen mit den USA. 

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In den 1970er Jahren, als die amerikanische Besatzung der Philippinen schon fast drei Jahrzehnte zurücklag, kam es zu einer zweiten Invasion. Diesmal waren es jedoch nur Schauspieler und Produzenten aus den USA, die den Inselstaat besuchten, weil man dort wunderbar billige Exploitationfilme drehen konnte (Joe Dante hat mit Hollywood Boulevard (1976) eine sehr amüsante Satire auf diese Art des Tourismus gedreht). Das philippinische Kino hatte es schon damals im Ausland schwer. Doch solange Pam Grier oder John Carradine in den Hauptrollen zu sehen waren und sich nationale Eigenheiten vornehmlich in der exotischen Kulisse niederschlugen, verkauften sich auch die Filme gut. Philippinische Schauspieler haben es dabei, wenn überhaupt, nur in Nebenrollen geschafft. Vic Diaz, der meist als Bösewicht besetzt wurde und in über hundert Filmen mitgespielt hat, erreichte damit sogar eine Art Starruhm.

Bei den Regisseuren handelte es sich dagegen oft um Filipinos. Eddie Romero, einer der bekanntesten Filmemacher des philippinischen Kinos, war einer von ihnen. Während seiner über sechzigjährigen Laufbahn hat er nicht nur Reißer wie Frauen in Ketten (Black Mama, White Mama, 1973) gedreht, sondern auch Fantasyabenteuer (The Day Before Yesterday; Kamakalawa, 1981) und Historienfilme (This Is How We Were, How Are You Doing Now?; Ganito kami noon... Paano kayo ngayon?, 1976). Neben Romero ist Cirio H. Santiago einer der produktivsten Vertreter des interkulturellen Exploitationkinos. Mit Filmen wie Savage! (1973) und TNT Jackson (1975) verlagerte er gar das Blaxploitationgenre in den philippinischen Dschungel. Sein Horrorfilm Vampire Hookers (1978) zeigt sehr anschaulich, wie sich die philippinischen Regisseure damals an die Sehgewohnheiten eines ausländischen Publikums anpassten. Vampire – Aswang in Tagalog – spielen in der philippinischen Mythologie eine besondere Rolle. Statt Geschöpfen in der Tradition von Graf Dracula handelt es sich bei ihnen um eine Mischung aus Vampir und Werwolf. Ganz seiner Zielgruppe und Besetzung angemessen, beschränkt sich Vampire Hookers jedoch auf die abendländische Vorstellung des von Lust getriebenen Blutsaugers.

Zu den Texten:

Vampire Hookers

Frauen in Ketten

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