Der unbekannte Miklós Jancsó

Zwischen dem 15. und dem 21. Juni zeigt das Filmkollektiv Frankfurt dreizehn internationale Ko-produktionen des jüngst verstorbenen Miklós Jancsó.

Miklos Jansco

Seit 2013 macht es sich der gemeinnützige Verein Filmkollektiv Frankfurt zur Aufgabe, „unterrepräsentierte Filmkultur“ ins Rampenlicht zu rücken. Vom 15. bis zum 21. Juni steht nun im Deutschen Filmmuseum ein Regisseur im Mittelpunkt, der eigentlich alles andere als ein Unbekannter ist. Der im letzten Jahr verstorbene Miklós Jancsó zählt zweifellos zu den großen Autoren des Weltkinos. Berühmt geworden ist er vor allem für sein Werk aus den 1960er Jahren – akribisch orchestrierten Filmen wie Die Hoffnungslosen (Szegénylegények, 1965) und Sterne an den Mützen (Csillagosok, katonák, 1967), in denen die Kamera ihren Figuren in langen Plansequenzen durch die Kargheit der Natur und die Unmenschlichkeit des Krieges folgt. Das Filmkollektiv konzentriert sich jedoch auf einen Teil seines Werks, der hierzulande bisher nur vereinzelt zu sehen war: Internationale Ko-Produktionen, die unter der Beteiligung von Frankreich, Jugoslawien, Israel, Finnland, der UdSSR und immer wieder Italien entstanden sind.

Die grosse Orgie

Auf dem Programm stehen zehn Spielfilme sowie drei Dokumentationen, die zwischen den Jahren 1967 und 2010 gedreht wurden. Jancsó blieb dabei seinem radikalen Formalismus treu, widmete sich aber globaleren Stoffen. Bestimmte Motive finden sich darin immer wieder: Es geht um Widerstandsbewegungen der Gegenwart und Tyrannen der Vergangenheit, um politische Unruhen und höfische Intrigen. Gezeigt werden etwa La Pacifista (1970), in dem Monica Vitti sich als Journalistin auf den umkämpften Straßen Mailands mit einem Anarchisten einlässt oder der vom Fernsehsender RAI produzierte La tecnica e il rito, in dem Attila der Hunnenkönig als dunkle Verkörperung der Macht auftritt. Kameramann János Kende und Lajos Balázsovits, der faunische Hauptdarsteller aus Die große Orgie (Vizi privati, pubbliche virtù, 1976), werden in Frankfurt zu Gast sein und über ihre Arbeit mit Jancsó sprechen. Begleitend zur Werkschau wird außerdem eine umfangreiche Publikation erscheinen.

Das gesamte Programm gibt es hier: http://www.filmkollektiv-frankfurt.de/veranstaltungen/jancso-koproduktionen

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