Cinema of Outsiders

Neue Möglichkeiten in der Unabhängigkeit. Vom 1. bis zum 19. Oktober widmet sich das Berliner Zeughauskino der Blütezeit des amerikanischen Independentfilms.

Cinemaof Outsiders Text1

Denkt man heute an amerikanische Independentfilme, dann kommt einem kaum mehr ein „Kino der Außenseiter“ in den Sinn; vielmehr ein risikoloses und biederes Erzählkino, das mit ein bisschen weniger Geld und nicht ganz so großen Schauspielern auf dem Sundance Festival seine Bühne gefunden hat. Die Retrospektive „Cinema of Outsiders“, die im Oktober im Berliner Zeughauskino zu sehen ist, erinnert dagegen an bessere Zeiten. Hannes Brühwiler, Leiter des Unknown-Pleasure-Festivals und ehemaliger Critic.de-Kollege, stellt zwölf Filme vor, die zwischen den Jahren 1977 und 1989 entstanden sind und sich eher thematisch als über das Label des Independentfilms vereinen lassen. So ist etwa auch Jonathan Demmes schräge Komödie Gefährliche Freundin (Something Wild, 1986) zu sehen, in der Melanie Griffith mit schwarzer Perücke und dem verruchten Namen Lulu einen Hauch von Gegenkultur nach Hollywood bringt.

Cinemaof Outsiders Text2

Ohne das mitunter subversive Potential der Traumfabrik schmälern zu wollen, boten sich für Filmemacher in der Unabhängigkeit doch mitunter ganz andere Möglichkeiten. Themen, die ansonsten höchstens in Nebensträngen aufflackerten, standen hier im Mittelpunkt. Im Abseits konnte ein afroamerikanisches Kino (Killer of Sheep, 1977) ebenso gedeihen wie ein schwules (Abschiedsblicke; Parting Glances, 1986) und ein feministisches (Variety, 1983). In Bette Gordons Variety gibt es dazu ein regelrechtes Stelldichein der alternativen New Yorker Künstlerszene. Da taucht die heute weltberühmte Fotografin Nan Goldin in einer Nebenrolle als Barkeeperin auf und der Jazzmusiker John Lurie zeichnet sich für den düster schleppenden Soundtrack verantwortlich. Andere Filme wurden dagegen mit dem Ziel gedreht, kontroverse Themen einem größeren Publikum zu verkaufen. Man denke nur an Kathryn Bigelows Near Dark, der auf diese Weise wohl nur in der AIDS-Ära entstehen konnte.

Cinemaof Outsiders Text3

In vielen kleineren Arbeiten herrscht dagegen ein Misstrauen gegenüber konventionellen Erzähltechniken. Sehr zu empfehlen ist der von einer spröden Schönheit durchzogene Bell Diamond. Zunächst wirkt es, als würde sich Regisseur Jon Jost einem klassischen Ehedrama annähern: Die von ihrem autistischen Hausfrauendasein deprimierte Protagonistin will sich von ihrem Mann trennen. Doch dann drängt Jost die eigentliche Handlung und mitunter auch die Figuren an den Rand, um ein bedrückendes Niemandsland in Montana zu erforschen. Wo die Leuchtreklamen im urbanen Raum von den Niederlagen der USA ablenken, steht das Scheitern in der Stadt Butte ganz im Rampenlicht. Einst haben die Kriegsveteranen aus Vietnam hier Arbeit in einer Silbermine gefunden. Mittlerweile ist jedoch die Mine geschlossen und die Männer sind impotent.

Das gesamte Programm gibt es hier.

Kommentare zu „Cinema of Outsiders“

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.