Cannes 2008: Semaine Internationale de la Critique

Cannes Semaine de la Critique

Parallel zur eigentlichen „Compétition“ von Cannes richtet die „47. Semaine de la Critique“ einen eigenen Wettbewerb aus. Die Nebensektion der Festspiele von Cannes 2008 widmet sich der Entdeckung neuer Talente. Bei der seit 1962 bestehenden „Kritikerwoche“ konkurrieren ausschließlich Erst- und Zweitwerke junger Regisseure um den „Grand Prix de la Semaine de la Critique“, der von internationalen Filmjournalisten verliehen wird. Der Wettbewerb für den besten Spielfilm umfasst lediglich sieben Werke, denen jeweils ein Kurzfilm vorangestellt wird.

Die Berliner Regisseurin Emily Atef stellt ihren Film Das Fremde in mir vor, bei dem eine junge Frau psychisch schwer unter ihrer Mutterschaft leidet. Das dysfunktionale Verhältnis zu ihrem Kind wird zur Bedrohung für das Baby und die Beziehung der Mutter zum Vater des Jungen. Emily Atef, als Tochter französisch-iranischer Eltern in Frankreich, London und Los Angeles aufgewachsen, wurde erstmals durch Molly’s Way (2005) bekannt.

Der Argentinier Pablo Fendrik zeigt in Blood appears (La sangre brota), wie eine Familie an gegenseitigem Misstrauen, mangelnder Kommunikation und einer Geldsumme von 2.000 US-Dollar zu zerbrechen droht.
Auch im belgischen Beitrag Moscow, Belgium (Aanrijding in Moscou) geht es um familiäre Turbulenzen, wenn auch in eher komödiantischer Weise. Zwei wildfremde Menschen, Matty und Johnny, stoßen in einem Autounfall aufeinander. Doch bei dieser Art von „Verkehr“ soll es zwischen den beiden Bewohnern eines nach der russischen Hauptstadt benannten Stadtteils des belgischen Gent nicht bleiben. Mattys Ehemann findet das gar nicht amüsant.

Der Brite Duane Hopkins zeichnet in Better Things ein Zeitbild des ländlichen England, in dem sich die Alten langweilen, während die Jungen mit Sex und Drogen experimentieren.
Aida Begic aus Bosnien-Herzegowina portraitiert die Nöte der Einwohner Ex-Jugoslawiens in ihrem Film Snow (Snijeg), in dem der Schnee die desaströsen Zustände nur eine Zeit lang verdecken kann.

In der französisch-schwedischen Produktion Grown Ups (Les grandes personnes) verläuft der Schweden-Urlaub eines Vater-Tochter-Gespanns ganz und gar nicht nach des Vaters Plänen – zur großen Freude seiner Tochter.
Und die Russin Valeria Gaia Germanica lässt drei junge Moskauer Mädchen in ihrem Coming-of-age-Drama Everybody dies but me (Vse umrut a ja ostanus) nur über den Bruch ihrer gemeinsamen Freundschaft zur eigenen Identität finden.

 

Neben dem besten Spielfilm werden auch das beste Drehbuch und zwei Kurzfilme prämiert. Die Publikation und der Vertrieb der Siegerfilme werden von Partnern der „Semaine“ gefördert. Außerdem wird auch die „Caméra d’Or“ (der Preis für den besten Debütfilm des gesamten Festivals) oftmals an ein Werk dieser Sektion vergeben.

Begleitet wird die „Semaine de la Critique“ von Sonderaufführungen zahlreicher Kurzfilme und dem Nachwuchskritiker-Förderprogramm „La (toute) jeune critique“. Dabei werden Schüler aus Deutschland und Frankreich von erfahrenen Filmjournalisten an das Verfassen von Filmkritiken heran geführt.

Über die Nebensparte der „Semaine de la Critique“, deren Beiträge später auf Festivals weltweit Verbreitung finden, wurden unter anderem so bedeutende Regisseure wie Gaspar Noë (Menschenfeind, 1998; Irreversibel, 2002), François Ozon (Fünf mal Zwei, 2004; Die Zeit, die bleibt, 2005; Angel - Ein Leben wie im Traum, 2007) und Wong Kar Wai (In the Mood for Love, 2000; 2046, 2004; My Blueberry Nights, 2007) einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt. 

Alle Wettbewerbsfilme der Sektion „Semaine de la Critique“:

 

Das Fremde in mir – Regie: Emily Atef (Deutschland)

- Blood appears (La sangre brota) – Regie: Pablo Fendrik (Argentinien, Frankreich, Deutschland)

- Moscow, Belgium (Aanrijding in Moscou) – Regie: Christophe van Rompaey (Belgien)

Better Things – Regie: Duane Hopkins (Großbritannien)

- Snow (Snijeg) – Regie: Aida Begic (Bosnien-Herzegowina, Frankreich) 

Grown Ups (Les grandes personnes) – Regie: Anna Novion (Frankreich, Schweden)

- Everybody dies but me (Vse umrut a ja ostanus) – Regie: Valeria Gaia Germanica (Russland)

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