Cannes 2008: Quinzaine des Réalisateurs

Cannes Quinzaine des Réalisateurs

Gleich 12 von 22 Langfilmen in der Sparte „Quinzaine des Réalisateurs“ („Director’s Fortnight“) sind von Frankreich (co-)produziert. Die von der französischen Gesellschaft der Film-Regisseure („Société des Réalisateurs de Films“) veranstaltete Nebensektion der Filmfestspiele von Cannes 2008 (14.-25. Mai) sucht und fördert filmische Neuentdeckungen.

Acht der zwölf mit Frankreich verbundenen Filme in der zum 40. Mal stattfindenden Reihe wurden mit französischer Unterstützung in allen Teilen der Welt realisiert. Die vier übrigen sind rein französisch produziert.

Les bureaux de Dieu von Claire Simon weist auf die Bedeutung von Familienplanungszentren und dem Recht auf Abtreibung für die Selbstbestimmung der Frau hin.
De la guerre von Bertrand Bonello ist die mystisch angehauchte Geschichte eines Regisseurs (Mathieu Amalric) in der Krise, dessen Leben sich komplett verändert, nachdem er unfreiwillig eine Nacht in einem Sarg verbracht hat.
Die Brüder Jean-Marie und Arnaud Larrieu kehrten für Le voyage aux Pyrénées in ihre Heimatregion zurück und widmeten der bergigen Landschaft und ihren Bewohnern eine humorvolle Hommage.
Monsieur Morimoto heißt der neue Film von Nicola Sornaga, der 2003 durch seine absurde Komödie Le dernier des immobiles aufgefallen war, in der ein junger Filmemacher an einer Dokumentation über einen körperlich behinderten Künstler scheiterte.

Eröffnet wird die „Quinzaine des Réalisateurs“ vom polnischen Veteran Jerzy Skolimowski, der in den siebziger und achtziger Jahren einige Filme in der BRD produzierte, seit 1991 allerdings keinen Film mehr gedreht hatte. In Four Nights with Anna (Cztery noce z Anna) erzählt er nun von den romantischen Obsessionen eines Krematoriums-Angestellten.
Die einzige Dokumentation der Sektion ist der slowakische Film Blind Loves (Slepe lasky) von Juraj Lehotsky über die Liebesbeziehungen blinder Menschen.
Das restliche Programm wird ebenfalls von europäischen Werken dominiert – allerdings finden sich auch Raritäten aus den fernsten Ecken der Welt ein, wie Salamandra vom Argentinier Pablo Aguero, in dem das Leben einer Familie aus Patagonien gezeigt wird.
Aus Asien kommen lediglich zwei Werke: Der französisch-philippinische Coming-of-Age-Film Now Showing von Raya Martin, einem Filippino mit französischen Film-Stipendium, und Knitting (Nin Lang Zhi Nu) von der Chinesin Yin Lichuan, deren Debüt The Park (Gongyuan) beim Moskauer Festival 2007 auffiel.
Aus den USA stammt gar nur ein Beitrag: Der Abschlussfilm The Pleasure of being robbed von Josh Safdie – eine Komödie über die Kleptomanin Eleonore.

Begleitet wird die Sektion von zwei Kurzfilmprogrammen und einigen Sonderaufführungen. Darunter ist 40x15 von Olivier Jahan, in dem die Geschichte der „Quinzaine des Réalisateurs“ nacherzählt wird.
Jean-Marie Straub, als Marxist und Franzose ein wichtiger Teil des Neuen Deutschen Films, ist gleich zweimal vertreten. Seine beiden neuen Filme, der 27-minütige Le Genou d’Artemide und der – wie so oft – gemeinsam mit seiner 2006 verstorbenen Lebens- und Regiepartnerin Danièle Huillet erschaffene, 40-minütige Itinéraire de Jean Bricard werden im Rahmen der „Special Screenings“ gezeigt.

 

Die „Quinzaine des Réalisateurs“ entstand 1969 im Rahmen der 68er-Turbulenzen und der Affäre Langlois – also inmitten von Ereignissen, in der sich die französische Filmbranche als souveräne kulturelle und politische Kraft zu (re-)etablieren versuchte.
Ziel der ohne Wettbewerb ausgetragenen Sektion ist es, Nachwuchsregisseure des Kunst- und Autorenfilms aus aller Welt zu entdecken und zu fördern. So wurden die ersten französischen Aufführungen der Debüt-Filme von Werner Herzog, Nagisa Oshima, Martin Scorsese, Michael Haneke und Sofia Coppola von dieser Sparte Cannes’ organisiert.

Einige der 2007 bei der „Quinzaine des Réalisateurs“ gezeigten Filme haben vor kurzem den Weg in deutsche Kinos gefunden (Gegenüber; Control; Caramel; Wilde Unschuld).
Die in Cannes gezeigten Werke werden später in Paris, Marseille, Rom und Mailand wiederholt.

Alle Langfilme der Sektion „Quinzaine des Réalisateurs“:

 

- Acné – Regie: Federico Veiroj (Uruguay)

- Aquele querido mês de agosto (Ce cher mois d’août) – Regie: Miguel Gomes (Portugal)

- Boogie – Regie: Radu Muntean (Rumänien)

- Les Bureaux de Dieu – Regie: Claire Simon (Frankreich)

- El Cant dels ocells (Le Chant des oiseaux) – Regie: Albert Serra (Spanien)

- Cztery noce z Anna (Quatre Nuits avec Anna) – Regie: Jerzy Skolimowski (Polen)

- De la guerre – Regie: Bertrand Bonello (Frankreich)

- Dernier Maquis – Regie: Rabah Ameur-Zaïmeche (Frankreich)

- Eldorado – Regie: Bouli Lanners (Belgien)

- Élève libre – Regie: Joachim Lafosse (Belgien)

- Liverpool – Regie: Lisandro Alonso (Argentinien)

- Monsieur Morimoto – Regie: Nicola Sornaga (Frankreich)

- Nin Lang Zhi Nu (Knitting) – Regie: Yin Lichuan (China)

- Now Showing – Regie: Raya Martin (Philippinen)

- The Pleasure of Being Robbed – Regie: Josh Safdie (USA)

- Il resto della notte – Regie: Francesco Munzi (Italien)

- Salamandra – Regie: Pablo Aguero (Argentinien)

- Shultes – Regie: Bakur Bakuradze (Russland)

- Slepe lasky (Blind Loves) – Regie: Juraj Lehotsky (Slowakei)

- Taraneh Tahayie Tehran (Lonely Tune of Tehran) – Regie: Saman Salour (Iran)

- Tony Manero – Regie: Pablo Larrain (Chile)

- Le Voyage aux Pyrénées – Regie: Jean-Marie and Arnaud Larrieu (Frankreich)

 

Special Screenings:

- 40x15 – Regie: Olivier Jahan (Frankreich)

- Milestone – Regie: Robert Kramer and John Douglas (USA)

- Le Genou d’Artemide – Regie: Jean-Marie Straub (Frankreich)

- Itinéraire de Jean Bricard – Regie: Jean-Marie Straub and Danièle Huillet (Frankreich)

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