Cannes 2008: Der Wettbewerb

Cannes Poster

Drei Wochen vor Beginn des weltweit renommiertesten Filmfestivals haben die Organisatoren von Cannes 2008 (14-25. Mai) am Mittwoch in Paris das offizielle Programm bekannt gegeben. Der diesjährige Wettbewerb um die Goldene Palme wird von Autoren- und Kunstfilmen dominiert. Clint Eastwood präsentiert Changeling, in dem Angelina Jolie die Mutter eines entführten Kindes spielt. Steven Soderbergh stellt sein vierstündiges Che-Guevara-Portrait Guerilla (Alternativtitel: Che) vor. Und Charlie Kaufman (Drehbuch zu Being John Malkovich, 1999; Vergiss mein nicht, 2004) steuert sein Regiedebüt, die Tragikomödie Synecdoche, New York, bei.

Abseits des US-Autorenkinos laufen Atom Egoyans (Exotica, 1994; Das süße Jenseits, 1997) Drama über Internet-Identitäten von Jugendlichen Adoration, Jia Zhang-kes (Platform, 2000;  Still Life, 2006) 24 City – eine Geschichte über Kollektivierung und Behauptung der eigenen Individualität in der Volksrepublik China, und Wim Wenders’ Musikfilm The Palermo Shooting mit „Campino“ von den „Toten Hosen“ als Hauptdarsteller.

Walter Salles (Die Reise des jungen Che, 2004) zeigt in Linha de Passe die Lebensgeschichte von vier Brüdern aus armen Verhältnissen, während Luc und Jean-Pierre Dardennes (L’enfant, 2005) Le Silence de Lorna sich einer wider besseren Wissens äußerst optimistischen Protagonistin widmet. Nuri Bilge Ceylan aus der Türkei, der bereits zwei Mal um die Goldene Palme konkurrierte (Uzak – Weit, 2002; Iklimler – Jahreszeiten, 2006), präsentiert sein neues Werk Three Monkeys (Üç Maymun). Frankreich ist dank Philippe Garrels La Frontière de l’aube, Arnaud Desplechins Un conte de Noël und einem weiteren noch bekannt zu gebenden Werk mit drei Filmen im Wettbewerb vertreten.

Inmitten der Größen des internationalen Kunstfilms tauchen auch einige bisher weitgehend unbekannte Namen auf. Die Argentinierin Lucrecia Martel, die vor allem mit The Holy Girl (La niña santa, 2004) auf sich aufmerksam gemacht hatte, bringt nun ihren dritten Kinofilm La mujer sin cabeza nach Cannes, in dem das Leben einer Frau durch einen eigentlich undramatischen Autounfall komplett aus der Bahn geworfen wird.

Das asiatische Kino ist mit Filmen aus Singapur und den Philippinen vertreten. Eric Khoo realiserte sein Drama My Magic über die familiären Probleme eines tamilischen Magiers innerhalb von nur acht Tagen. Brillante Mendoza zeigt in Serbis das Leben einer Familie im ländlichen Teil der Philippinen, die in der Prostitution einen Ausweg aus der Armut sieht.

Außer Konkurrenz laufen Woody Allens romantische Komödie Vicky Cristina Barcelona mit Penélope Cruz und Scarlett Johansson – und The Good, the Bad, and the Weird vom Südkoreaner Ji-woon Kim (A Tale of two Sisters, 2003). Die obligatorische Portion Blockbuster-Kino liefern in diesem Jahr Steven Spielbergs Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels sowie der Animationsfilm Kung Fu Panda, die ebenfalls außer Konkurrenz vorgestellt werden.

Die internationale Jury für den Wettbewerb unter Präsident Sean Penn ist mit sieben Preisrichtern besetzt. Dazu gehören Natalie Portman, der thailändische Regisseur Apichatpong Weerasethakul (Tropical Malady, 2004; Blissfully Yours, 2002) und die deutsche Schauspielerin Alexandra Maria Lara (Der Untergang, 2004).

Für die Kurzfilme des Festivals ist eine fünfköpfige Jury um Hou Hsiao-hsien (Café Lumière, 2003; A City of Sadness, 1989) und Olivier Assayas (Irma Vep, 1996) verantwortlich. Über den besten Debüt-Spielfilm, der die „Caméra d'Or“ erhält, wurde als Jury-Präsident Bruno Dumont berufen - ein Regisseur, der für äußerst unbequeme Werke (Twentynine Palms, 2003; Flandres, 2006) bekannt ist.

Alle bisher bekannten Filme des Wettbewerbs:

 

Üç Maymun (The Three Monkeys); Nuri Bilge Ceylan (Türkei)

- Le Silence De Lorna (The Silence of Lorna); Jean-Pierre und Luc Dardenne (Belgien)

- Un Conte de Noël (A Christmas Tale); Arnaud Desplechin (Frankreich)

- Changeling; Clint Eastwood (USA)

- Adoration; Atom Egoyan (Kanada)

- Waltz With Bashir; Ari Folman (Israel)

- La Frontière De l'Aube (The Frontier Of Dawn); Philippe Garrel (Frankreich)

- Gomorra; Matteo Garrone (Italien)

- 24 City; Jia Zhangke (China)

- Synecdoche, New York; Charlie Kaufman (USA)

- My Magic; Eric Khoo (Singapur)

- La Mujer Sin Cabeza (Woman Without A Head); Lucrecia Martel (Argentinien)

- Serbis; Brillante Mendoza (Philippinen)

- Delta; Kornel Mundruczo (Ungarn)

- Linha de Passe (Line of Passage); Walter Salles, Daniela Thomas (Brasilien)

Guerilla; Steven Soderbergh (USA)

- Il Divo; Paolo Sorrentino (Italien)

- Leonera; Pablo Trapero (Argentinien)

- The Palermo Shooting; Wim Wenders (Deutschland)

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