Besessen – Pinoy Cinema (7)

Wenn die Leidenschaft einen zum Biest werden lässt. Diese Woche widmen wir uns zwei philippinischen Horrorfilmen, die vom Kontrollverlust über den eigenen Körper erzählen.

Kill Barbara with Panic 07

Eddie Romero zählt nicht nur zu den prominentesten Figuren der philippinischen Filmindustrie, er steht auch für eine besondere Spielart des Horrorkinos. Neben höher budgetierten Abenteuerfilmen  und sleazigen Exploitationreißern gehen auch mehrere Produktionen auf sein Konto, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Angst und Schrecken zu verbreiten. Diese Filme sind meist sehr schnell runtergedreht, konzipiert für die Verwertung in Autokinos und mit besonderem Augenmerk für die großen Themen des Kinos entstanden: Gewalt, Sex und eine Menge Drama. Viele von ihnen sind amerikanische Koproduktionen, in denen sich abgehalfterte Schauspieler aus den Staaten in den philippinischen Dschungel verirrt haben (mehr dazu hier). In Beast of the Yellow Night (1971) gerät John Ashley unter die Fuchtel des Leibhaftigen, woraufhin er erst die Identität eines Anderen übernimmt und sich später bei brodelnder Leidenschaft in einen Werwolf verwandelt; oder wie es im Trailer heißt: „His desire made him a savage beast, condemned to stalk the night with an insatiable lust for living flesh.“ Bezeichnend für das philippinische Genrekino ist der Film auch, weil Satan hier keine unsichtbare, dunkle Macht ist, sondern als Mensch (gespielt von Vic Diaz) auftritt. (Eine noch gewagtere Verkörperung des Bösen kann man in Efren C. Piñons völlig durchgeknalltem Camp-Meisterwerk The Killing of Satan (Lumaban ka, Satanas, 1983) bestaunen.)

Im Vergleich zu Romero ist Celso Ad. Castillo ein Auteur, der vor allem wegen seines Melodrams Burlesk Queen (1977) bekannt ist, in dem Vilma Santos zum ersten Mal ihr Sauberfrau-Image abstreifte. Castillo hatte jedoch auch keine Scheu, sich weniger renommierten Genres anzunehmen. Ein schönes Beispiel dafür ist Kill Barbara with Panic (Patayin mo sa sindak si Barbara, 1974), der hinter der Fassade eines atmosphärischen Horrorfilms ein wüstes Eifersuchtsdrama zwischen zwei Frauen erzählt – der einzige Mann im Film heißt Fritz und hat nicht viel zu sagen. Entfernt erinnert die Geschichte einer gehörnten Ehefrau, die sich aus dem Jenseits an ihrer Schwester rächen will, an die neueren japanischen Geisterfilme, in denen häufig ungelöste Familienkonflikte den Toten keine Ruhe lassen. Castillos Zugang zum Genre ist nicht nur inhaltlich ambitioniert, sondern auch perfektionistisch in der Inszenierung. Er beschwört mit expressiver Lichtsetzung eine beunruhigende Atmosphäre, setzt auf wahnwitzige Spezialeffekte und gibt immer wieder seinem Hang zum Gefühlsexzess nach. Dabei ist es nicht das ungreifbare Böse, das seinen Geist antreibt, sondern sehr menschliche Emotionen wie Eifersucht und Missgunst.

Zu den Texten:

Beast of the Yellow Night (den Film kann man sich hier ansehen)

Kill Barbara with Panic

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