Berlinale 2011: Komatöse Langeweile, Sexploitation and a really bad movie

True Grit 03

Ob ich Englisch spreche, will der Herr mit dem Deutsche-Welle-Mikrofon in der Hand vor dem Cinemaxx-Kino am Potsdamer Platz wissen, als ich dieses gerade verlasse. Yes, I do. Das Mikro schießt auf meine Nasenhöhe. How did you like this really bad movie, lautet dann die erste Reporterfrage. Verwirrt von dieser wenig neutralen journalistischen Perspektive, stammele ich etwas von spannender Handlung, starken Charakteren, leinwandfüllenden Landschaftsaufnahmen und einem überragenden Jeff Bridges. Ja, es geht um den Eröffnungsfilm, True Grit von den Coen-Brüdern, über den Sascha Keilholz ebenfalls keine gute Meinung hat, diese aber durchaus genauer begründet. Mein Interviewer aber will auf meine Gegenfrage, was ihm an diesem soliden Western denn nicht gefallen habe, nicht so recht antworten.

Sei’s drum. Man muss und kann vielleicht nicht alles begründen. Zu dem Film Swans (Forum) zum Beispiel, von Hugo Vieira da Silva, fällt mir direkt nach der Vorstellung außer „langweilig“ auch kein tiefsinniges Urteil ein. Es geht um eine Koma-Patientin in Berlin, deren Ex-Freund und den gemeinsamen Sohn. Lange, zu lange, statische Szenen, Gesichter, die ins Leere starren. Der Sohn, ein junger Mann des Typs „Ich-hab-da-so’n-Projekt“, zuppelt ständig an irgendetwas herum; an einer Schallplatte, an Frauenunterwäsche, an Zahnseide. Am Ende auch an seiner komatösen Mutter. Einmal liegt ein Hermaphrodit in der Badewanne. All das findet nicht so recht zueinander, man hat den Eindruck, als würde ein und dieselbe Idee immer wieder neu ins Bild gesetzt. Das Schweigen zwischen Vater und Sohn, die äußerst offensichtlich ein Kommunikationsproblem haben, wird in Echtzeit präsentiert. Dann gibt es noch eine Onanieszene, ebenfalls in Echtzeit. Und in Echtbild.

Sexuell einigermaßen drastisch (ein Cunnilingus durch ein vergittertes Fenster bleibt in Erinnerung) ist auch der kongolesische Film Viva Riva! (Forum), aber was für ein grundlegend anderes Erlebnis ist das! Regisseur Djo Tunda Wa Munga hat einen waschechten Sexploitation-Mafia-Film gedreht, mit viel Tempo und viel Gewalt. Ort der Handlung: Kinshasa. Titelheld Riva hat viel Geld durch Benzinklau verdient und klopft jetzt große Sprüche, macht sich an die Braut eines gefährlichen Gangsters heran und sucht auch ansonsten bei jeder Gelegenheit die Gefahr. Unterschwellig geht es immer auch um den Zustand eines Staates, der zu den ärmsten der Welt zählt. „This fucking country“, heißt es öfter. Hin und wieder fällt der Strom aus, und im Bordell haben die Kabinen Pappkarton-Wände.

In der Reihe hinter mir saßen drei Afrikaner, die immer wieder lachen mussten; nicht schenkelklopfend, eher in sich hinein kichernd, aber immerhin. Wenn die Macho-Gangster auf der Leinwand große, politisch wenig korrekte Sprüche klopfen oder die äußerst brutalen Killer, die hinter Riva her sind, in Unterwäsche ins Gefängnis wandern, ist Belustigung von hinten zu hören. Gegen Ende des Films hat auch der nicht-afrikanische Publikumsteil erkannt, dass Viva Riva! vor allem Spaß machen soll – und das auch tut. Obwohl er mit seinen Figuren enorm gemein umgeht und am Ende fast alle tot sind.

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