Berlinale 2011: Bandbreite

Während das Forum sich weiter als feine Fundstelle erweist, lotet The Devil’s Double die Tiefen des Panoramas aus.

Wenn ein Neuseeländer einen belgischen Film dreht über einen Iraki, der von einem Engländer gespielt wird – und zwar in einer Doppelrolle –, dann kommt The Devil's Double raus. Und der geht schon früh ins Rennen um den miesesten Film des Festivals. Die Geschichte um einen Doppelgänger des Hussein-Sohnes Saddam Udei ist nicht das, was sie scheint. Wer einen effektiven billigen Doppelgänger-Thriller wie Der Auftrag (The Assignment, 1997), den besten Film des Kanadiers Christian Duguay, erwartet, wir enttäuscht. The Devil's Double ist eine Farce mit Hang zu Ekligkeiten, die sich an ihrer eigenen Sexploitation und dem Sadismus der (halben) Hauptfigur weidet. Die geschätzte Kollegin Daniela Sannwald hat von einem "ärgerlichen, ordinären, kunstlosen" Film geschrieben. Auch wenn Tamahoris Bilder des Sündenpfuhls Bagdad mir nicht immer kunstlos scheinen, treffen die anderen beiden Adjektive ins Schwarze. "Obszön" könnte man noch hinzufügen.

Seit seinem beeindruckenden Debüt Die letzte Kriegerin (Once were Warriors, 1994) sind Tamahoris Filme sukzessive schlechter geworden, erst schleichend, mittlerweile im rasenden Fall. Jetzt ist die Talsohle erreicht. Entweder Tamahori steht von hier aus wieder auf, oder er bleibt ein künstlerisches One-Hit-Wonder. Und vor allem der Mann, der Devil's Double verbrochen hat.

Schon aus Liebe zu Altin Lala muss man den albanischen Forums-Beitrag Amnistia sehen. Und wird belohnt. Angenehm verwirrend beginnt das Drama zweier Menschen, deren Ehepartner im Gefängnis von Tirana einsitzen. Als die Behörden im Ansinnen um größere internationale Anerkennung ihre Vollzugsregeln lockern, kreuzen sich ihre Wege meloträchtig.

Nur in wenigen Momenten scheint Regisseur Buyar Alimani mit seinem Erstlingswerk einen weiteren wortkargen, farblosen Film über die sozialen Probleme eines post-kommunistischen Landes in Südosteuropa zu erzählen, etwa wenn eine schier endlos lange Menschenschlange auf Abfindungspapiere und -gelder wartet. Schnell löst sich Amnistia dann wieder von den Stereotypen und findet unverbrauchte Bilder über Verlangen, Unfreiheit und Abhängigkeiten. Nur das etwas gewollt drastische Ende, eher überstürzt denn radikal, trübt den eigenwilligen Fluss der Liebestragödie.

Auch Joe Swanbergs Silver Bullets wird dem plakativen Forums-Label „Originalität“ gerecht. Verschiedene Fiktionen verschieben sich über die Film-im-Film-Korsage hinaus ineinander, eigenwillige Kompositionen rhythmisieren und montieren Sequenzen, die sich fast immer auf ein Duo konzentrieren, mit weitestgehendem Verzicht auf Schnitte. Die Liebe zum Filmemachen und Filmemachersein ist Teil eines Manipulations- und Eifersuchtsszenarios, das unverkrampft, jugendlich weise daherkommt.

Der Low-Low-Budget-Filmemacher ist mit einem Doublefeature in Berlin vertreten, das vom thematisch verwandten Art History abgeschlossen wird.

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