Aufbruch der Autorinnen

Papas Kino ist tot! Es leben die Filme der Töchter! Eine Berliner Retrospektive wirft ab heute einen weiblichen Blick auf das europäische Aufbruchskino.

Mon Amour Mon Amour

In den 1960er Jahren wollte sich das Kino fast überall auf der Welt neu erfinden. Man sprach dabei von neuen Wellen, die sich in so unterschiedlichen Ländern wie Frankreich, Japan, Jugoslawien oder Brasilien bildeten und mit politischem Kampfgeist und formalem Wagemut auf Papas eingefahrenes Kino zurollten. Wenn heute vom Aufbruchskino die Rede ist, fallen jedoch meist die gleichen Namen. Es hat sich ein Kanon gebildet, der der Vielfalt des damaligen Filmschaffens nicht gerecht wird. Allerdings gab es auch schon Versuche, diese Zeit aus einer anderen Perspektiv zu sehen. Im Berliner Zeughauskino widmete sich etwa vor einigen Jahren die Reihe „Revolutionen aus dem Off“ den filmischen Umwälzungen in Ländern, die bei solchen Retrospektiven gerne links liegen gelassen werden. Am gleichen Ort macht es sich nun das Programm „Aufbruch der Autorinnen“ zur Aufgabe, weibliche Positionen innerhalb der neuen Wellen des europäischen Kinos zu präsentieren.

Zerstoeren sagt sie

Die Reihe versammelt dabei die großen Autorinnen dieser Zeit, Regisseurinnen wie Larisa Shepitko, Marguerite Duras, Mai Zetterling, Věra Chytilová, Ula Stöckl, Liliana Cavani oder Agnès Varda. Es ist ein schönes und umfangreiches Programm geworden, das die Ränder, an denen diese Filme entstanden sind, ins Zentrum rückt und darüber hinaus an einige wichtige Filmemacherinnen erinnert, die sich immer noch nicht im Repertoire vieler Kinematheken befinden. Ergänzend zum Filmprogramm gibt es zahlreiche Einführungen, unter anderem von der Kuratorin Sabine Schöbel, der Forums-Mitbegründerin Erika Gregor und der Filmemacherin Tatjana Turanskyj (Top Girl oder La déformation professionnelle). Dass es sich bei den Vortragenden ausschließlich um Frauen handelt, ist durchaus konsequent. So wie die Retrospektive sich auf weibliche Positionen in einem männerdominierten Kino konzentriert, soll auch die Analyse von einem weiblichen Blick ausgehen. Als Statement ist das aber auch ein bisschen schade. Schließlich könnte man dadurch den Eindruck bekommen, dass es sich bei diesem Bereich der Filmgeschichte um bloße Frauensache handelt.

Die Reihe geht vom 15. Oktober bis zum 15. November.

Das gesamte Programm gibt es hier

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