Asian Hot Shots Berlin 2011

Japan, Südkorea und China sind in den mentalen Landkarten von Cineasten seit langem Fixpunkte. Doch was bekommt man hierzulande von der Filmproduktion in Indonesien, Malaysia oder den Philippinen mit? Dem asiatischen Kino in seiner gesamten Breite widmet sich das Festival Asian Hot Shots vom 9. bis 11.9. im Berliner Kino Moviemento.

Dabei stehen jedoch nicht die großen, für den Weltmarkt gedachten Produktionen im Vordergrund, sondern politisch und künstlerisch ambitionierte Werke aus dem Independent-Bereich. Statt sich auf ein Land (2008 Philippinen, 2009:Indonesien, 2010 Singapur) zu konzentrieren, liegt der Schwerpunkt bei der vierten Ausgabe des Festivals auf Experimentalfilmen und Videokunst. Auch wenn das Programm in diesem Jahr budget-bedingt etwas ausgedünnt ist, finden sich wieder Queer- und Pink-Filme, um die sich Asian Hot Shots stets besonders bemüht hat. Das Rahmenprogramm wartet mit einer Fotoausstellung, Musik aus Japan und „Rakugo“ – einer traditionellen Form der japanischen Erzählkunst – auf.

Gleich der Eröffnungsfilm, Gandu vom indischen Regisseur Q (bürgerlich: Kaushik Mukherjee), ist eines der ganz großen Highlights des Jahres 2011. Ein grimmiger, frustrierter Slacker schlägt sich ohne Geld, Freunde oder Sex mehr schlecht als recht durch den Alltag in Kalkutta und verarbeitet seine aufgestaute Wut in Rap-Songs und Drogenexzessen. Auf der Berlinale sorgte Gandu durch seine Mischung aus schwarzweißem Sozialrealismus, extremer Stilisierung und unbändiger Energie für Begeisterung.

In der semi-dokumentarischen ZDF-Produktion August von Mieko Azuma reist eine deutsche Schriftstellerin nach Hiroshima, um über die Verarbeitung der Erinnerungen an Tod und Krieg zu schreiben. Durch die nukleare Katastrophe in Fukushima, die nach Fertigstellung des Films geschah, birgt das Werk der an der HFF München studierenden Regisseurin große Aktualität.

Fortune Teller von Xu Tong setzt die junge Bewegung sozialkritischer chinesischer Dokumentationen (New Documentary Movement) fort, die sich wiederholt mit der Lage der oft vergessenen und vom Fortschritt abgehängten Landbewohner befasst hat. Der Film folgt dem Wahrsager Li Baicheng und porträtiert sein von Armut und Hoffnungslosigkeit geprägtes Milieu.

Die malaysisch-japanische Koproduktion The Tiger Factory, die Ende September regulär in die deutschen Kinos kommt, zeigt die ökonomische Lage und den Migrationsdruck der chinesischen Minderheit in Malaysia. Um sich die Ausreise nach Japan leisten zu können, soll die junge Ping ein Kind gebären und anschließend verkaufen. Für Jungen wird mehr bezahlt als für Mädchen.

Schräg geht es in der eklektizistischen Groteske Doman Seman von Gô Shibata zu: Kyoto wird von einer androgynen Geisha beherrscht, die Obdachlose verprügeln lässt – eine Gruppe von Jugendlichen soll die Stadt mit magischen Amuletten beschützen, wird aber immer wieder durch halluzinogene Pilze von dieser Aufgabe abgelenkt. Zwischen viel trashigem Klamauk finden sich hohe Dosen Kapitalismus- und Medienkritik. Ähnlich absurd muten der Pink-Film Erotibot über einen sexuell aktiven Roboter sowie Madame X an, in dem ein Transsexueller sich in eine schrill gestylte Straßenkämpferin verwandelt.

Das gesamte Festival-Programm gibt es hier.

Asian Hot Shots 2011 - Unsere Kritiken:

Gandu

August

Thomas Mao

The Tiger Factory

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