Afrikamera 2017

Ab heute konzentriert sich das Berliner Festival wieder auf das afrikanische Kino der Gegenwart – und setzt dabei weniger auf möglichst aktuelle Produktionen als auf ein kuratorisches Konzept. Diesmal steht die Sahelzone im Mittelpunkt.

Wallay

Das nunmehr zehn Jahre alte Afrikamera gleicht zwei Mängel aus, von denen die meisten Filmfestivals betroffen sind. Zum einen konzentriert man sich hier auf das normalerweise stark vernachlässigte gegenwärtige Kino des afrikanischen Kontinents. Was hier zu sehen ist, wurde auf etablierten Festivals entweder meist in Nebenreihen abgeschoben oder lief noch gar nicht in Europa. Zum anderen zeigt sich hier aber auch, dass hinter einem Festival ein erkennbares kuratorisches Konzept stehen kann – nicht nur das bloße Vorhaben, möglichst viele gute aktuelle Produktionen zu zeigen.

Ceddo

Auch beim diesjährigen Afrikamera, das vom 13. bis zum 19. November im Kino Arsenal und der Heinrich-Böll-Stiftung stattfindet, stehen wieder Filme auf dem Programm, die man schon vor einiger Zeit anderswo sehen konnte. Rama Thiaws Dokumentarfilm The Revolution Won’t Be Televised etwa, der vom Widerstand gegen den senegalesischen Präsidenten Abdoulaye Wade erzählt und bereits 2016 im Forum der Berlinale lief. Oder Licínio Azevedos Bürgerkriegsepos The Train of Salt and Sugar, der sich um den Zuckermangel im Mosambik der 1980er Jahre dreht und letzten Sommer in Locarno zu sehen war. Oder auch ein historischer Beitrag aus dem Jahr 1977 – Ceddo von Altmeister Ousmane Sembène, der von einer Volksgruppe im 17. Jahrhundert erzählt, die ihre traditionelle Kultur gegen den Einfluss von Islam, Christentum und Kolonialmacht zu behaupten versucht.

Wulu

Die Beiträge aus dem diesjährigen Programm verbindet, dass sie alle in der Sahelzone angesiedelt sind; einer über zehn Länder reichenden Region, die den Übergang zwischen Sahara und Trockensavanne markiert. In den Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen eröffnet sich das Bild einer Gegend, die von Naturkatastrophen, religiösem Fundamentalismus sowie wirtschaftlicher und politischer Instabilität geplagt ist. Dass das mitunter sehr strapaziöse Leben dort in einer großen Bandbreite filmischer Formen Ausdruck findet, die von Genreproduktionen wie dem Eröffnungsfilm Wúlu über ethnografische Ansätze wie in der Dokumentation Sandfishers bis zur behutsam erzählten Coming-of-Age-Story Wallay reicht, davon kann man sich ab heute Abend selbst überzeugen.

Das gesamte Programm gibt es hier: www.afrikamera.de/de/

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